Die Zahlen, die L’Oréal nach Börsenschluss präsentierte, lesen sich auf den ersten Blick solide, offenbaren bei genauerem Hinsehen jedoch Risse im makellosen Image des Konzerns. Während die Erlöse im vierten Quartal auf vergleichbarer Basis um sechs Prozent auf 11,25 Milliarden Euro kletterten, hatten Marktexperten mit einem Plus von 6,5 Prozent gerechnet. Dieser „Missing Link“ reichte aus, um die Anleger in einen Ausverkauf zu treiben.

China und Luxus: Die Sorgenkinder der Franzosen
Besonders die Region Nordasien, das Herzstück des chinesischen Marktes, bereitet dem Management um CEO Nicolas Hieronimus Kopfzerbrechen. Die wirtschaftliche Erholung in China verläuft schleppender als erhofft, was sich unmittelbar in der Nachfrage nach hochpreisigen Kosmetikmarken wie Lancôme oder Helena Rubinstein niederschlägt. Das Luxussegment, das lange Zeit als krisensicherer Wachstumsmotor galt, schwächelte im Schlussquartal spürbar.
Im Gegensatz dazu erwies sich das US-Geschäft als exzellenter Fels in der Brandung, und auch die Massenmarkt-Sparte (Consumer Products) konnte durch Innovationen im Bereich Hautpflege punkten. Doch für einen Konzern mit einer so hohen Bewertung wie L’Oréal verzeiht der Markt keine Schwächen in der renditestarken Luxussparte.
Dividende steigt trotz Gewinnrückgang
Interessanterweise sank der Nettogewinn im Gesamtjahr um 4,4 Prozent auf 6,13 Milliarden Euro, was teilweise auf Einmaleffekte und Währungsschwankungen zurückzuführen ist. Dennoch zeigt sich L’Oréal bei der Gewinnverwendung großzügig: Die Dividende soll für das abgelaufene Jahr auf 7,20 Euro je Aktie angehoben werden (Vorjahr: 7,00 Euro).
Analysten wie Wassachon Udomsilpa von der RBC bleiben trotz der kurzfristigen Enttäuschung optimistisch und belassen ihr Kursziel bei 410 Euro. Sie betonen, dass L’Oréal im Vergleich zum restlichen Konsumgütersektor immer noch eine Outperformance liefert. Entscheidend für den weiteren Kursverlauf im Jahr 2026 wird nun sein, ob die angekündigte Übernahme der Luxusmarke Kering Beauté (Abschluss im H1 2026) die nötigen Wachstumsimpulse liefert, um die Schwäche in China zu kompensieren.


