19. Mai, 2024

Politik

Russische Offensive setzt ukrainische Verteidiger bei Charkiw unter Druck

Russische Offensive setzt ukrainische Verteidiger bei Charkiw unter Druck

Die strategische Offensive der russischen Streitmächte intensiviert sich an der ukrainischen Front in der Nähe der Millionenstadt Charkiw. In einem berichteten Vorstoß haben russische Truppen einen konzentrierten Angriff auf die Stadt Wowtschansk unweit der russischen Grenze unternommen. Die Attacke fiel zusammen mit den Feierlichkeiten in Moskau und dem Beginn von Wladimir Putins neuer Amtszeit. Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte mit, dass die Angreifer bereits in den frühen Morgenstunden mit einer Kombination aus Bodentruppen und Panzerfahrzeugen versuchten, die Verteidigungslinien zu durchbrechen.

Die offensichtlich geplanten Angriffe fanden, laut Kiew, Widerstand durch die ukrainische Armee und die anhaltenden Gefechte variieren in ihrer Intensität. Unabhängige Überprüfungen der Situation vor Ort liegen bisher nicht vor. Nicht namentlich genannte Quellen aus dem ukrainischen Militär deuten darauf hin, dass die russischen Truppen inzwischen vier Grenzdörfer erobert haben könnten, welche eine Nähe zu Charkiw aufweisen – eine Stadt, die seit Monaten erheblichen Luftangriffen ausgesetzt ist.

Die Ernsthaftigkeit der aktuellen Lage wird durch das Einschalten des Verteidigungsministeriums in Kiew unterstrichen, das üblicherweise zurückhaltender in der Kommunikation ist. Es wurde betont, dass zusätzliche Reserven zur Verstärkung der Verteidigung herangezogen würden. Eine Bombardierung der Region Wowtschansk durch russische Kampfflugzeuge am Vortag und nächtliche Artillerieschläge waren offenbar ein Präludium dieser jüngsten Offensive.

Ihor Synjehubow, Gouverneur des Gebiets Charkiw, signalisierte Standfestigkeit und gab an, dass kein Gebiet verloren gegangen ist, eine direkte Bedrohung für Charkiw sei bisher noch nicht erkennbar. Auf russischer Seite gibt es im Militärblog Rybar Äußerungen, die die Ziele der Gefechtes beschreiben, primär die Ausdehnung der Kampfzone und die Aufklärung feindlicher Positionen.

Die ukrainischen Verteidiger stehen vor einer Herausforderung. Sie ringen um die Widerstandsfähigkeit entlang einer etwa 1000 Kilometer langen Frontlinie und leiden unter einem Mangels an Waffen und Munition. Trotz langwieriger innenpolitischer Debatten in den USA hat ein milliardenschweres Rüstungspaket letztendlich grünes Licht erhalten. Die Ukraine hofft, dass durch die eintreffenden Waffenlieferungen sich das Blatt binnen einiger Monate wenden könnte. Derweil setzt Russland augenscheinlich alles daran, die zeitliche Verzögerung für eigene strategische Vorteile zu nutzen.

Parallel dazu führt die ukrainische Armee Angriffe im russischen Grenzgebiet durch und nimmt speziell die Stadt Belgorod unter Beschuss, um die russischen Nachschublinien zu stören. Während der Wahlen im März entwickelte sich dies zu einem Dilemma für Moskau, welches mit der möglichen Eroberung ukrainischen Gebiets als Sicherheitszone reagierte.