Inmitten einer weltweiten Wiederbelebung der Kernenergienutzung zeigt sich die Vorstandsvorsitzende von Vattenfall, Anna Borg, zuversichtlich, dass die Atomkraft in den kommenden Jahren wieder an Relevanz gewinnen wird. In einem kürzlich geführten Interview hob Borg die Wichtigkeit der sogenannten "neuen Kernenergie" hervor, die durch innovative Reaktorkonzepte gekennzeichnet ist. Dabei insbesondere Small Modular Reactors (SMRs), die zunehmend in die Energiesysteme zahlreicher Länder integriert werden könnten.
Vattenfall verfolgt eine strategische Ausrichtung, die auf die Investition in bestehende Kernkraftwerke abzielt, um deren Betriebsdauer um etwa zwanzig Jahre zu verlängern. Darüber hinaus wird der Bau von drei bis fünf SMRs auf der schwedischen Halbinsel Värö, südlich von Göteborg, in Betracht gezogen. Diese modularen Reaktoren bieten durch den Einsatz vorgefertigter Komponenten nicht nur die Möglichkeit zu Kosteneinsparungen, sondern fördern auch die Effizienz der Bauprozesse. Laut Borg eröffnet der parallele Bau mehrerer Reaktoren die Gelegenheit zu signifikanten Lerneffekten und könnte somit die Entwicklung der Technologie beschleunigen.
Trotz der Tatsache, dass die Baukosten für Kernkraftwerke im Vergleich zu Windenergieanlagen höher ausfallen, erkennt Borg ein bedeutendes wirtschaftliches Potenzial in der Weiterentwicklung der Atomkraft. Während Deutschland verstärkt auf erneuerbare Energien setzt und flexible Speichertechnologien entwickelt, um die wetterbedingten Schwankungen von Wind- und Solarenergie auszugleichen, spielt die Atomkraft in Schweden eine Schlüsselrolle als zuverlässige Quelle für Grundlaststrom. Diese Stabilität ist von entscheidender Bedeutung für die Konstanz der Strompreise und unterstützt Vattenfalls Verpflichtung, eine verlässliche Energieversorgung zu gewährleisten.
Borgs zentrale Botschaft ist deutlich: In einer Ära, in der regenerative Energien naturgemäß schwankend sind, bleibt die Grundlastversorgung durch Kernkraft ein essenzieller Bestandteil der Energiestrategie Schwedens. Während Deutschland beschlossen hat, seine letzten Atomkraftwerke bis 2023 abzuschalten, verfolgt Schweden einen anderen strategischen Ansatz, um die Energienachfrage stabil und nachhaltig zu decken. Dieser Kurs unterstreicht Schwedens Engagement, eine zuverlässige und kosteneffiziente Energiezukunft zu gestalten.