15. Juli, 2024

Wirtschaft

Rheinmetall und Leonardo planen milliardenschweres Panzerbündnis

Rheinmetall und Leonardo planen milliardenschweres Panzerbündnis

Der deutsche Rüstungsgigant Rheinmetall hat seine Fühler nach einem Großauftrag zur Lieferung von Hunderten Panzern in Italien ausgestreckt. Um diesen prestigeträchtigen Auftrag zu sichern, wird das Düsseldorfer Unternehmen ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem italienischen Rüstungsunternehmen Leonardo gründen. Beide Unternehmen unterzeichneten bereits eine entsprechende Absichtserklärung.

Rheinmetall und Leonardo zählen zu den führenden Rüstungskonzernen in Europa und profitieren angesichts globaler Unsicherheiten und Konflikte von einer florierenden Auftragslage. Die beiden Anteilseigner werden je 50 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen halten, das sowohl einen Kampfpanzer als auch eine Schützenpanzer-Version entwickeln soll. Der Schützenpanzer wird auf dem Rheinmetall-Modell Lynx basieren, während der Kampfpanzer auf dem neuesten Rheinmetall-Panther-Design beruhen wird. Der Panther hat derzeit zwar noch keine Serienreife erlangt, wird jedoch als innovative Neuheit im Kampffahrzeugsektor beworben. Das Volumen des möglichen italienischen Großauftrags könnte sich nach Medienberichten auf rund 20 Milliarden Euro belaufen und Laufzeiten von über zehn Jahren umfassen.

Rheinmetall-CEO Armin Papperger betonte: „Gemeinsam wollen wir neue Standards setzen und die Türe für eine neue Generation hochmoderner Kampffahrzeuge in und für Europa öffnen.“ Dies richte sich sowohl an den italienischen Markt als auch an Partnerstaaten mit Modernisierungsbedarf in ihrem Verteidigungssystem.

Ursprünglich war Leonardo eine Zusammenarbeit mit KNDS, dem früheren Krauss-Maffei Wegmann, für den Bau von Leopard-Kampfpanzern eingegangen. Diese Pläne zerschlugen sich jedoch, und Rheinmetall trat nun in die Bresche. Leonardo-CEO Roberto Cingaloni sieht das neue Abkommen als wesentlichen Beitrag zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Verteidigungsraumes. Über genaue Stückzahlen wurden keine offiziellen Angaben gemacht, jedoch könnten es nach Informationen des „Handelsblatts“ mehr als 550 Panzer werden – mindestens 200 Panther und mehr als 350 Lynx.

Rheinmetall hat in Italien bereits eine starke Basis mit drei Tochtergesellschaften, rund 1.400 Mitarbeitern und fünf Standorten. Allerdings müssen die zuständigen Regulierungsbehörden noch grünes Licht für die Umsetzung der Absichtserklärung geben.

Das Unternehmen wächst seit Beginn des Ukraine-Kriegs rasant und hat kürzlich bedeutende Rahmenverträge mit der Bundeswehr abgeschlossen. Dazu zählen Artilleriemunition für bis zu 8,5 Milliarden Euro sowie Militärlastwagen für bis zu 3,5 Milliarden Euro. Der mögliche italienische Auftrag könnte den stark expandierenden Kurs von Rheinmetall weiter befeuern. Leonardo verzeichnete zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als 15 Milliarden Euro und beschäftigt über 50.000 Mitarbeiter, während Rheinmetall 2023 einen Umsatz von 7,2 Milliarden Euro bei rund 34.000 Mitarbeitern erzielte. Die Auftragsbücher der Düsseldorfer Firma sind derzeit prall gefüllt.