14. April, 2024

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Vertical Farming als Zukunftsmodell der Landwirtschaft

Trotz innovativer Ansätze und großem Potenzial zur nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion stehen Indoor-Farmen vor wirtschaftlichen und energetischen Herausforderungen.

Vertical Farming als Zukunftsmodell der Landwirtschaft
Innovatives Grün im industriellen Grau: Hydrofarms in Wesseling plant, auf kleinem Raum groß zu ernten, doch der hohe Energieverbrauch von Vertical Farming bleibt eine ökologische und ökonomische Herausforderung.

In Wesseling bei Köln entsteht ein visionäres Projekt, das die Art und Weise, wie wir Nahrungsmittel anbauen, grundlegend verändern könnte. Das Start-up Hydrofarms plant, in einer unscheinbaren Lagerhalle eine landwirtschaftliche Revolution zu starten: mit Vertical Farming.

Diese innovative Methode verspricht, die Lebensmittelproduktion in Innenräumen, gestapelt auf hohen Regalen und unter künstlichem Licht, zu revolutionieren.

Von der Vision zur Realität: Während Vertical Farming als Lösung für städtische Nahrungsmittelproduktion gepriesen wird, stellt die Energieeffizienz ein ungelöstes Puzzle dar.

Doch trotz des großen Potenzials und der Auszeichnung durch den Existenzgründerpreis Rhein-Erft-Kreis 2023 stellt sich die Frage: Wie wirtschaftlich ist das Konzept wirklich?

Die Vision von Vertical Farming

Vertical Farming, das Anbauen von Pflanzen in vertikalen Etagen unter Einsatz von künstlichem Licht, birgt die Hoffnung, die landwirtschaftliche Produktion effizienter, umweltschonender und stadttauglicher zu machen.

Es ist eine Antwort auf die globalen Herausforderungen der Landwirtschaft: steigende Bevölkerungszahlen, Bodendegradation und Extremwetterereignisse. Mit dieser Methode könnte die Lebensmittelversorgung direkt in urbanen Zentren stattfinden, unabhängig von Jahreszeiten und Wetterbedingungen.

Herausforderungen und Realität

Doch die Realität des Vertical Farming konfrontiert uns mit mehreren Herausforderungen. Das Beispiel des Berliner Start-ups Infarm, das trotz seines Einhornstatus in finanzielle Schwierigkeiten geriet, zeigt, dass hohe Energiepreise ein zentrales Problem darstellen.

Die Technologie hinter Indoor-Farmen ist energieintensiv. Licht, Heizung und Kühlung benötigen enorme Mengen Strom, was die Wirtschaftlichkeit der Betriebe stark beeinflusst.

Die Kehrseite des technologischen Fortschritts: Indoor-Farmen versprechen eine pestizidfreie Anbauweise, doch der Schatten hoher Stromkosten liegt schwer auf der Branche.

Energieverbrauch als Achillesferse

Eine der größten Hürden für Vertical Farming ist der hohe Energiebedarf. Forschungen deuten darauf hin, dass der Anbau von einem Kilogramm Weizen in Indoor-Farmen 650 Kilowattstunden verbrauchen könnte – mehr als ein Drittel des jährlichen Stromverbrauchs eines Ein-Personen-Haushalts.

Diese Energieintensität macht deutlich, dass bestimmte Kulturen wie Weizen derzeit nicht effizient in solchen Systemen produziert werden können. Stattdessen konzentriert sich der Fokus auf höherwertige Kulturen wie Kräuter, Salate und bestimmte Gemüsesorten, die die Energiekosten durch höhere Marktpreise rechtfertigen können.

Innovationen und Lösungsansätze

Um den Energieverbrauch zu reduzieren, forscht die Wissenschaft an effizienteren Beleuchtungssystemen und der Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI). KI-gesteuerte Beleuchtung könnte die Photosynthese der Pflanzen optimieren und den Stromverbrauch signifikant senken.

Hydrofarms experimentiert bereits mit speziell konzipierten LED-Lampen und plant, Daten zu sammeln, um die Produktion durch Automatisierung weiter zu verbessern.

Technologie trifft Tradition: Während Hydrofarms auf innovative LED-Beleuchtung setzt, erinnert der hohe Energiebedarf daran, dass der Weg zur umweltfreundlichen Landwirtschaft noch weit ist.

Die Zukunft des Vertical Farming

Trotz der Herausforderungen zeigt das Engagement von Unternehmen wie Hydrofarms, dass das Interesse an Vertical Farming und der Glaube an sein Potenzial groß sind.

Die Kombination aus technologischer Innovation, Forschung und einer Anpassung der Anbaustrategien könnte Vertical Farming zu einem wichtigen Baustein in der Landwirtschaft der Zukunft machen.

Die Branche steht zwar noch am Anfang ihrer Entwicklung, doch die Vision einer nachhaltigen, effizienten und klimaresistenten Lebensmittelproduktion treibt sie voran.