Schwache Nachfrage legt Umsätze und Profitabilität offen
Rémy Cointreau hat in den ersten sechs Monaten seines Bilanzjahres einen klaren Rückschlag erlitten. Der Umsatz sank um 4,2 Prozent, belastet durch eine spürbare Abkühlung in den beiden wichtigsten Absatzmärkten USA und China. Der operative Gewinn ging um 13,6 Prozent zurück – weniger stark als Analysten befürchtet hatten, aber deutlich genug, um die strukturellen Probleme im Premiumspirituosenmarkt sichtbar zu machen.
US-Konsumenten greifen nach den Boomjahren wieder vorsichtiger zu hochpreisigen Cognacs. In China hemmen ein verändertes Konsumverhalten, schwächere Konjunkturdaten und eine vorsichtige Handelslandschaft die Nachfrage. Beide Märkte bestimmen traditionell die Dynamik des Hauses – in diesem Halbjahr aber vor allem dessen Schwäche.

Der neue CEO will das erste Halbjahr als Wendepunkt verstanden wissen
Mit Franck Marilly steht seit Kurzem ein neuer Konzernchef an der Spitze. Seine Botschaft ist ambitioniert: „Das erste Halbjahr war herausfordernd, aber es markiert den Beginn einer neuen Ära für Rémy Cointreau.“ Marilly setzt auf eine Kombination aus strikter Kostendisziplin und einer strategischen Neuausrichtung des Markenportfolios.
Effizienzprogramme haben bereits geholfen, den operativen Gewinneinbruch abzufedern. Die größere Herausforderung bleibt jedoch, die Nachfrage in den Kernmärkten wiederzubeleben und sich breiter aufzustellen.
Gesenkte Jahresziele bleiben bestehen – mit Aussicht auf Stabilisierung
Der Konzern bestätigt seine bereits im Oktober nach unten angepassten Jahresziele. Der Umsatz soll stabil bleiben oder leicht wachsen. Beim operativen Gewinn wird ein Rückgang im niedrigen zweistelligen bis mittleren Zehner-Prozentbereich erwartet.

Für Anleger bleibt damit klar: Rémy Cointreau befindet sich mitten im Übergangsjahr. Der kurzfristige Druck bleibt hoch, doch Marilly setzt darauf, dass die Maßnahmen greifen und der Premiumtrend in der zweiten Jahreshälfte wieder anzieht.
Cognac-Markt unter strukturellem Anpassungsdruck
Die aktuelle Schwäche ist nicht nur ein zyklischer Ausschlag. Nach Jahren des Nachfragesogs steht der Premium-Cognac-Markt vor einer Normalisierung. Händler reduzieren Lagerbestände, Konsumenten achten stärker auf Preise, und der Wettbewerb im oberen Segment nimmt zu.
Rémy Cointreau muss sich daher nicht nur vom kurzfristigen Dämpfer erholen, sondern gleichzeitig seinen Anspruch im Segment behaupten: exklusive Marken, hohe Margen, langsames, aber wertorientiertes Wachstum.
Der Umbau hat begonnen – ob die Wende gelingt, entscheidet sich in den USA und China
Die Prognosen des Unternehmens setzen voraus, dass sich beide Schlüsselregionen stabilisieren. Wenn Marillys Maßnahmen dort greifen und die Nachfrage wieder anzieht, kann der Konzern in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich auf Wachstum drehen.
Gelingt das nicht, steht Rémy Cointreau vor einer längeren Anpassungsphase. Das erste Halbjahr liefert dafür den Ausgangspunkt – aber noch keinen Beweis für die Trendwende.



