27. Mai, 2024

Technologie

Raspberry Pi-Börsengang: Wie bewertet man die vielseitige Mini-Computermarke?

Raspberry Pi-Börsengang: Wie bewertet man die vielseitige Mini-Computermarke?

Die Raspberry Pi Foundation steht möglicherweise vor einem Initial Public Offering (IPO) in London, wobei dem Mini-Computerhersteller eine Bewertung von 630 Millionen US-Dollar nachgesagt wird. Doch wie misst man den Wert eines Unternehmens, dessen Produkte von der Bewässerung von Pflanzen über das Lösen eines Zauberwürfels bis hin zur Heimautomatisierung reichen?

Betrachtet man die geschäftliche Entwicklung von Raspberry Pi, so zeigt sich seit dem Start 2012 eine beeindruckende Dynamik. Bis Mitte 2022 erfolgte die Montage der Computer unter Lizenz von RS Group, einem börsennotierten globalen Elektronikdistributor mit einer Marktkapitalisierung von 3,9 Milliarden Pfund. Die Partnerschaft endete, und nun werden die meisten Platinen in einer Fabrik in Nordwales, die Sony gehört, gefertigt – und Sony ist zu 1,7 Prozent an Raspberry Pi beteiligt.

Für das Jahr 2023 verkündete Raspberry Pi einen Umsatz von 265,8 Millionen US-Dollar, ein Plus von 41 Prozent, und ein EBITDA, das sich nahezu verdoppelte auf 43,5 Millionen US-Dollar. Aus den im letzten Jahr veröffentlichten Konten geht hervor, dass trotz eines Verkaufsrückgangs der Einzelplatinen um 28 Prozent aufgrund von Komponentenmangel – und hier zeigt sich die Herausforderung der Bewertung – der durchschnittliche Verkaufspreis pro Computer bei 43,10 US-Dollar nahezu unverändert blieb.

Pi’s Hinwendung zu teureren Boards verbesserte die Bruttogewinnmarge pro Einheit von 4,60 US-Dollar im Vorjahr auf 6,80 US-Dollar im Jahr 2022. Finanzstärke zeigte das Unternehmen auch durch eine neue Liefervereinbarung mit Broadcom, dem wichtigsten Chip-Lieferanten.

Der Wachstumsmotor dürfte künftig durch Neukundengewinnung und Produktneuheiten angetrieben werden. Der Wettbewerb aus China und beschränkte Preissteigerungsmöglichkeiten – hier könnte zum Beispiel ein umfunktioniertes Smartphone eine Alternative darstellen – definieren ein komplexes Marktumfeld.

Die RS Group schätzt ihre globale Marktgröße auf 470 Milliarden Pfund, wovon Single-Board-Computer nur 2 Milliarden Pfund ausmachen – ein Hinweis auf den Nischenmarkt, auf dem sich Raspberry Pi bewegt.

Eine nahe Vergleichsgröße könnte Rotork sein, ein Hersteller von industriellen Durchflusskontrollgeräten, dessen Bewertung nahe an der vorgeschlagenen Bewertung von Pi liegt. Im Bereich der Unterhaltungselektronik hinkt der Vergleich zu anderen Branchengrößen wie Apple oder spezialisierten Herstellern wie Casio oder Garmin.

Allerdings birgt die einzigartige Public Ownership-Struktur von Raspberry Pi besondere Herausforderungen. Die Mehrheit der Anteile hält derzeit eine Wohltätigkeitsorganisation mit dem Ziel, möglichst vielen Kindern das Programmieren nahezubringen – eine Zielsetzung, die der Gewinnmaximierung zuwiderläuft und keine unmittelbare monetäre Bewertungsgrundlage bietet.

Währenddessen hat Games Workshop mit fast 500 Läden und einer reichen Multimediamarkenwelt einen deutlichen Vorteil in Form von wiederkehrenden Kunden. Raspberry Pi hingegen spricht eher Einmalkäufer an – auch wenn beide Unternehmen als dividendenstark gelten.

Die Marke Raspberry Pi verkörpert britische Innovation und Exzentrik, aber was ist diese Kreativität tatsächlich wert? Als Benchmark könnte Kering, der Mutterkonzern von Gucci, herangezogen werden, welcher die Geek-Chic-Ästhetik bei einer EBIT-Multiple von 22 angesetzt hat. Raspberry Pi vor diesem Hintergrund zu bewerten, wäre sicher mutig.

Schlussendlich bleibt die Prognose der künftigen Verkaufszahlen von Raspberry Pi unscharf, was die Bewertung des Unternehmens erschwert. Investoren mögen sich trösten, dass eine Finanzierungsrunde 2021 eine Nach-Geld-Bewertung von 545 Millionen US-Dollar ergab und eine weitere Runde im November den Wert auf 597 Millionen US-Dollar erhöhte. Sollte der IPO mit einer Bewertung von 630 Millionen US-Dollar gelingen, könnte das den Private-Equity-Gesellschaftern einen schnellen Ausstieg bieten.