25. Februar, 2024

Unternehmen

Postbank auf Kollisionskurs mit massiven Filialschließungen

Inmitten von IT-Chaos und Filialschließungen fordern Postbank-Mitarbeiter ein kräftiges Gehaltsplus.

Postbank auf Kollisionskurs mit massiven Filialschließungen
Hinter verschlossenen Türen plant die Deutsche Bank, die Axt an das Filialnetz der Postbank zu legen. Hunderte Standorte stehen vor dem Aus – ein Verrat an Kunden und Mitarbeitern.

Der Auftakt: Eine Forderung mit Signalwirkung

Die Finanzwelt blickt gespannt auf die bevorstehenden Tarifverhandlungen bei der Postbank, einem Unternehmen unter dem Dach der Deutschen Bank.

In einer Zeit, in der die Inflation das Portemonnaie der Bürgerinnen und Bürger erheblich strapaziert, treten rund 12.000 Beschäftigte mit einer kühnen Forderung in die Arena der Lohnverhandlungen: Ein Gehaltsplus von nicht weniger als 15,5 Prozent soll es sein, so das Begehren der Gewerkschaft Verdi.

Ein Mindestaufschlag von 600 Euro pro Kopf steht ebenfalls auf dem Papier – eine klare Kampfansage an die Arbeitgeberseite in Zeiten finanzieller Unsicherheit.

Restrukturierung und technische Turbulenzen

Parallel dazu schlägt der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) mit einer Forderung nach 14,5 Prozent mehr Lohn in dieselbe Kerbe. Der Ruf nach einem Ausgleich für die erlittenen Inflationseinbußen, die inzwischen die Zehn-Prozent-Marke übersteigen, hallt laut durch die Bankflure.

Der Hintergrund dieser vehementen Forderungen ist nicht nur in der allgemeinen Teuerungsrate zu finden, sondern auch in den spezifischen Herausforderungen, mit denen sich die Postbank konfrontiert sieht.

Verhandlungen im digitalen Zeitalter

Die Tarifverhandlungen, die in den digitalen Raum verlegt wurden und deren erste Runde am 6. Februar beginnt, stehen unter dem Schatten von weitreichenden Restrukturierungsplänen und technologischen Stolpersteinen.

Die Deutsche Bank hatte erst kürzlich verkündet, bis Mitte 2026 bis zu 250 der derzeit 550 Postbank-Filialen zu schließen. Ein Plan, der unweigerlich zu Stellenstreichungen führen wird, auch wenn betriebsbedingte Kündigungen bis Ende September 2024 ausgeschlossen wurden.

Ein vorweihnachtliches Zugeständnis der Bank, das allerdings kaum als Friedensangebot gewertet werden kann, sondern vielmehr als ein Versuch, Zeit zu gewinnen.

IT-Krise und Kundendienstprobleme

Die Postbank, einst ein Inbegriff der Stabilität im deutschen Bankwesen, findet sich in einer Phase des Umbruchs wieder. Eine umfassende IT-Umstellung, die darauf abzielte, Millionen von Kundenkonten auf eine einheitliche Plattform zu migrieren, hat nicht nur für massive Kundenbeschwerden gesorgt, sondern auch die kritische Aufmerksamkeit der Finanzaufsicht Bafin auf sich gezogen.

Ein Sonderaufpasser wurde entsandt, ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass das Vertrauen in die Fähigkeit der Bank, ihre eigenen Probleme zu lösen, erschüttert ist.

Die Bedeutung des Kampfes

Die Forderungen der Gewerkschaften und der Aufschrei der Belegschaft sind somit nicht nur als Reaktion auf die Inflation zu verstehen, sondern auch als Symptom tiefer liegender struktureller Probleme. Sie signalisieren eine Zerreißprobe für den Bankensektor, der zwischen ökonomischen Notwendigkeiten und der sozialen Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern balancieren muss.

Ausblick und mögliche Konsequenzen

Während die Tarifverhandlungen voranschreiten, steht viel auf dem Spiel: Die Zufriedenheit der Belegschaft, das Vertrauen der Kunden und nicht zuletzt das Image der Deutschen Bank als Arbeitgeber. Wie dieser Konflikt gelöst wird, wird nicht nur die Zukunft der Postbank-Mitarbeiter beeinflussen, sondern könnte auch als Präzedenzfall für die gesamte Branche dienen.