18. Juli, 2024

Wirtschaft

Politischer Widerstand in Spanien erschwert BBVA-Sabadell-Fusion

Politischer Widerstand in Spanien erschwert BBVA-Sabadell-Fusion

Inmitten des politischen Dramas in Großbritannien und Frankreich erlebt auch Spanien turbulente Tage. Für Bankeninvestoren steht dabei die geplante Übernahme von Sabadell durch BBVA im Fokus. Diese Transaktion wäre der größte Sektor-Deal in Europa seit der Notfusion von UBS und Credit Suisse. Doch der spanische Premierminister Pedro Sanchez und seine linke Koalition könnten das Vorhaben maßgeblich beeinflussen.

Im Mai kündigte BBVA, die zweitgrößte spanische Bank nach Marktwert, an, den kleineren Konkurrenten Sabadell übernehmen zu wollen. Diese Idee stieß zunächst auf Ablehnung seitens des Vorstands von Sabadell, woraufhin BBVA einen feindlichen Übernahmeversuch direkt bei den Aktionären startete. Die spanische Regierung signalisierte ebenfalls ihre Ablehnung, sowohl in Form als auch in Inhalt, aufgrund der möglichen Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Beschäftigung.

Trotz dieser Bedenken unterstützten die BBVA-Aktionäre vergangenen Freitag die Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Übernahmeangebots, das derzeit bei etwa 10 Milliarden Euro liegt. Der irrepressible BBVA-Vorsitzende Carlos Torres zeigte sich gegenüber der Financial Times optimistisch und bezeichnete das Angebot als "unstoppable".

Allerdings gibt es zahlreiche Hürden auf dem langen Weg zur Fusion, angefangen bei den Fusions- und Übernahmeregelungen in Spanien, die solche Prozesse oft über Monate, wenn nicht Jahre, erstrecken. Eine der nächsten Herausforderungen ist die Zustimmung der Europäischen Zentralbank, die das Geschäft aus einer aufsichtsrechtlichen Perspektive betrachtet. Auch die spanische Wertpapieraufsicht könnte das Angebot wohlwollend prüfen, wird jedoch voraussichtlich detaillierte Risikohinweise verlangen, insbesondere im Hinblick auf die staatliche Opposition.

Hinzu kommt eine kartellrechtliche Bewertung durch spanische Regulierungsbehörden. Selbst Torres hält es für realistisch, dass bestimmte Geschäftsbereiche abgestoßen werden müssten, insbesondere aufgrund der möglicherweise übermäßigen Marktanteile in der Region Katalonien.

Weitere Risiken bestehen in der Volatilität des Aktienkurses während des langwierigen Fusionsprozesses. Quartalszahlen und politische Veränderungen, wie ein bevorstehender Präsidentenwechsel in Mexiko, das über die Hälfte des Nettogewinns von BBVA im ersten Quartal erwirtschaftete, könnten die Aktienkurse stark beeinflussen.

Ein ebenso großes Hindernis stellt die Überzeugung der Sabadell-Aktionäre dar. Während institutionelle Investoren, die knapp ein Viertel der Anteile halten, eine positive Sichtweise haben könnten, könnte die hohe Beteiligung von rund 50 Prozent an Einzelinvestoren, darunter viele Sabadell-Kunden und -Mitarbeiter, entscheidend sein.

Torres bleibt zuversichtlich, dass er diese mit den verbesserten Perspektiven überzeugen kann, die der Besitz von BBVA-Aktien bietet. BBVA-Aktien werden über dem Buchwert und mit einem rund 50-prozentigen Aufschlag auf Sabadell-Aktien gehandelt. Dennoch könnte ein Bargeldelement hinzugefügt werden, um das Angebot für Einzelinvestoren attraktiver zu machen.

Das größte Hindernis bleibt jedoch die ablehnende Haltung der spanischen Regierung, vor allem, weil Sanchez' Koalition auf die Unterstützung katalanischer Unabhängigkeitsparteien angewiesen ist.

Torres zeigt sich entschlossen, geduldig und taktisch klug. Das vorgeschlagene Geschäft enthält auffallend bescheidene Synergieeffekte, ohne Filialschließungen oder Stellenabbau – trotz der Tatsache, dass BBVA und Sabadell zusammen 3.000 Filialen haben, sechs- bis achtmal mehr als vergleichbare britische Banken. Bei früheren Verhandlungen vor vier Jahren waren deutlich höhere Synergien von über 1 Milliarde Euro geplant. Experten schätzen die aktuellen Synergiepotenziale auf 50 Prozent mehr, was eine Schließung von mindestens 20 Prozent der Filialen bedeuten könnte.

Solche öffentlichen Aussagen würden jedoch jede Aussicht auf eine Regierungszustimmung zunichtemachen. Aber wenn Torres die strittigen Punkte vorübergehend herunterspielen kann, könnte der verlängerte Transaktionszeitplan tatsächlich zu seinem größten Verbündeten werden, da die heutige ablehnende Regierung irgendwann einer unternehmensfreundlicheren Verwaltung weichen könnte.