In der Welt von Peloton (NASDAQ: PTON) ist der Widerstand beim Treten härter geworden als je zuvor. Am 5. Februar 2026 legte das New Yorker Unternehmen Zahlen vor, die wie ein Schlag in die Magengrube der Investoren wirkten. Was als moderater Umbau geplant war, entpuppt sich zunehmend als Überlebenskampf in einem Markt, der das Interesse an teuren Heimtrainern verloren zu haben scheint. Die Aktie quittierte die Nachricht mit einem vorbörslichen Kurssturz von fast zehn Prozent – im regulären Handel weitete sich das Minus zeitweise sogar auf dramatische 25 Prozent aus.
Der Kern des Debakels: Die Konsumenten rüsten nicht mehr auf. CEO Peter Stern musste unumwunden zugeben, dass man die Bereitschaft der Bestandskunden, auf neue, KI-gestützte Geräte umzusteigen, massiv überschätzt habe.
„Wir haben einfach die Rate unterschätzt, mit der bestehende Mitglieder ihre Geräte aufrüsten würden“, so Stern.
Das Ergebnis ist eine Umsatzprognose für das laufende Quartal, die mit 605 bis 625 Millionen Dollar deutlich unter der Analystenschätzung von 637 Millionen Dollar liegt.
Der Abo-Schwund: Wenn die Community den Stecker zieht
Hinter den nackten Finanzzahlen verbirgt sich ein noch bedrohlicherer Trend: Die Basis bröckelt. Peloton verliert an beiden Fronten – bei der Hardware und in der App. Die Zahl der Connected-Fitness-Abonnements sank im Jahresvergleich um sieben Prozent auf rund 2,66 Millionen, während die App-Abonnements sogar um elf Prozent einbrachen.
Dieser Rückgang ist besonders schmerzhaft, da Peloton versucht hatte, durch Preiserhöhungen im Oktober (auf bis zu 49,99 Dollar für das All-Access-Modell) die Margen zu retten. Doch statt sprudelnder Gewinne erntete der Konzern Abwanderung. Die Kunden scheinen in Zeiten hoher Inflation nicht bereit zu sein, Premium-Preise für digitale Fitness-Inhalte zu zahlen, während Fitnessstudios wieder mit sozialen Kontakten locken.

Effizienz vs. Wachstum: Das Paradoxon der Bilanz
Inmitten des Trümmerfelds gibt es eine kuriose Nachricht: Peloton wird profitabler. Das bereinigte EBITDA stieg im Jahresvergleich um 39 Prozent auf 81,4 Millionen Dollar. Durch drastische Kostensenkungen, darunter die Entlassung von elf Prozent der Belegschaft im Januar, und eine verbesserte Bruttomarge von 50,5 Prozent zeigt das Unternehmen eine neue finanzielle Disziplin.
Doch an der Börse gilt das Gesetz: Ohne Wachstum ist Profitabilität oft nur ein „Hübschmachen“ für den Abverkauf. „Gute Margen auf einer schrumpfenden Basis sind eine klassische Value-Falle“, kommentieren Marktbeobachter die Situation. Die Anhebung der EBITDA-Prognose für das Gesamtjahr auf bis zu 500 Millionen Dollar konnte die Stimmung kaum heben, da gleichzeitig das Umsatzziel für 2026 auf 2,40 bis 2,44 Milliarden Dollar gesenkt wurde – ein Minus von drei Prozent.
Der CFO-Abgang: Ein Signal zur falschen Zeit
Als wäre die operative Lage nicht schon prekär genug, sorgt ein personeller Paukenschlag für zusätzliche Verunsicherung. Finanzchefin Liz Coddington, die weithin als Stabilisatorin nach dem Fast-Bankrott der Post-Pandemie-Ära galt, verlässt das Unternehmen Ende März. Sie wechselt zum Energie-Startup Palmetto.
Ihr Abgang wird vom Markt als Misstrauensvotum gewertet. Coddington war maßgeblich daran beteiligt, die Nettoverbindlichkeiten um 52 Prozent zu senken und den freien Cashflow zu stabilisieren. Dass sie nun geht, während das Unternehmen versucht, sich als „Connected Wellness“-Plattform neu zu erfinden, hinterlässt ein gefährliches Vakuum in der Führungsetage.

Die KI-Wette: Rettungsanker oder teures Experiment?
Pelotons Strategie für 2026 setzt fast alles auf künstliche Intelligenz. Mit „Peloton IQ“ und neuen Cross-Training-Serien inklusive Swivel-Screens und KI-Coaching wollte man den Markt zurückerobern. Doch die bisherige Resonanz ist verhalten. In einem preis-sensitiven Umfeld wirken Bikes ab 1.495 Dollar und Laufbänder ab knapp 3.000 Dollar wie Relikte aus einer vergangenen Ära des Überflusses.
Ob Peloton den Turnaround schafft oder als „Zombie-Aktie“ endet, hängt davon ab, ob Peter Stern die Hardware-Abhängigkeit schnell genug reduzieren kann. Doch solange die Abonnenten fliehen, bleibt Peloton ein Unternehmen, das sich zwar gesundschrumpft, aber dabei seine Seele – die wachsende Community – verliert.

