Auf der ersten Präsenz-Hauptversammlung seit sechs Jahren präsentierte Siemens-Chef Roland Busch am 12. Februar 2026 in der Münchner Olympiahalle eine Bilanz der Stärke. Besonders der Auftragseingang für Cloud- und KI-Infrastruktur – mit einem Volumen von allein 1,8 Milliarden Euro in diesem Segment – übertraf selbst kühnste Erwartungen. Siemens profitiert massiv davon, nicht nur Ausrüster, sondern auch Design-Partner für moderne Rechenzentrumsarchitekturen zu sein.
Der Aktienkurs reagierte mit einem Sprung um über sechs Prozent auf ein neues Rekordhoch von 273,30 Euro. Damit festigt Siemens seine Position als wertvollster DAX-Konzern vor dem Software-Riesen SAP.

Digital Industries: Die Krisensparte meldet sich zurück
Die Kernsparte Digital Industries (DI), das Herzstück der Digitalisierungsstrategie, konnte die Durststrecke der vergangenen Quartale überwinden. Trotz eines schwierigen Umfelds in der Automobilbranche und im klassischen Maschinenbau stieg der Umsatz vergleichbar um zehn Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis schoss um 37 Prozent nach oben.
Besonders im Bereich der Industriesoftware konnte Siemens überzeugen. Mit einem Erlöswachstum von elf Prozent beweist der Konzern, dass KI kein Risiko für das Geschäftsmodell darstellt, sondern die Nachfrage nach Automatisierungslösungen befeuert. Zwar liegt die Marge mit 17,8 Prozent noch leicht hinter dem US-Rivalen Rockwell Automation (20,7 %), der Trend zeigt jedoch klar nach oben.
Umbau im Vorstand: Der Weg zur „One Tech Company“
Parallel zu den Zahlen ordnet Siemens die Führungsebene neu, um die Verzahnung der Sparten zu beschleunigen. Peter Körte, bisher Technologie- und Strategiechef, übernimmt ab Juli zusätzlich die Leitung von Smart Infrastructure. Gemeinsam mit Cedrik Neike gilt er nun als potenzieller Nachfolger für Roland Busch. Das Gremium wird zudem verkleinert: Veronika Bienert folgt am 1. April auf Ralf Thomas als neue Finanzvorständin. Damit sinkt die Zahl der Vorstandsmitglieder von sieben auf fünf, was schnellere Entscheidungswege ermöglichen soll.
Healthineers-Abspaltung: Details im Frühjahr erwartet
Ein zentrales Thema für die rund 5.000 anwesenden Aktionäre war die Trennung von der Medizintechniktochter Siemens Healthineers. Siemens plant, in einem ersten Schritt 30 Prozent der Anteile per Spin-off direkt an die eigenen Aktionäre zu übertragen. Ziel ist die vollständige Dekonsolidierung, um Siemens als reinen Technologie- und Softwarekonzern am Markt zu positionieren.

Roland Busch kündigte an, im Laufe des zweiten Kalenderquartals 2026 detaillierte Informationen zum Zeitplan und zu den steuerlichen Aspekten der Transaktion zu veröffentlichen. Investoren wie die Deka und die DWS drängten darauf, den Prozess nicht zu verschleppen, um die Bewertungslücke gegenüber US-Tech-Werten endgültig zu schließen.
Ausblick: Höhere Ziele für das Gesamtjahr
Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 wird Siemens mutiger. Die Prognose für das Ergebnis je Aktie wurde auf eine Spanne von 10,70 bis 11,10 Euro angehoben (zuvor bis 11,00 Euro). Beim vergleichbaren Umsatzwachstum peilt der Konzern nun die obere Hälfte des Zielkorridors von sechs bis acht Prozent an.
Siemens wandelt sich schneller als erwartet vom schweren Industrietanker zum agilen Digital-Flaggschiff. Solange der Hunger der Welt nach Rechenpower und effizienten Stromnetzen anhält, scheint der Wachstumspfad der Münchner gesichert.

