26. Januar, 2026

Reichtum

Milliarden-Rotation: Warum Anleger jetzt massiv aus US-ETFs flüchten

Neue Daten belegen eine historische Kapitalverschiebung: Europas Börsen und defensive Anleihen profitieren, während die US-Dominanz bröckelt.

Milliarden-Rotation: Warum Anleger jetzt massiv aus US-ETFs flüchten
Historische Rotation: Anleger ziehen Milliarden aus den USA ab und setzen auf Europa und Währungsabsicherung. Die Hintergründe.

Die Kapitalströme an den globalen Finanzmärkten vollziehen eine signifikante Kehrtwende. Während nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2024 noch über 60 Milliarden Euro euphorisch in amerikanische Large-Cap-ETFs flossen, ist dieser Trend im Jahr 2025 nahezu zum Erliegen gekommen.

Der aktuelle Morningstar-Report offenbart eine drastische Abkühlung: Im Gesamtjahr 2025 verzeichneten US-Large-Cap-ETFs lediglich noch Zuflüsse von 6,2 Milliarden Euro. Das Kapital sucht sich neue Ziele, und der Hauptprofiteur dieser Umschichtung liegt diesseits des Atlantiks.

Europäische Large-Cap-ETFs vollzogen einen bemerkenswerten Turnaround. Nachdem sie zuvor Abflüsse von 12 Milliarden Euro hinnehmen mussten, drehte sich das Sentiment radikal ins Positive mit Zuflüssen von 41,2 Milliarden Euro. Dies markiert die größte geografische Asset-Rotation der letzten Jahre.

Die Kapitalflüsse nach Europa haben sich als struktureller Trend verfestigt

Es handelt sich bei dieser Entwicklung nicht um eine kurzfristige Marktanomalie, sondern um eine fundamentale Neuausrichtung der Portfolios. Die Zuflüsse in europäische Aktien-ETFs begannen im ersten Quartal 2025 mit soliden 14 Milliarden Euro und steigerten sich im zweiten Quartal auf 18 Milliarden Euro.

Auch in der zweiten Jahreshälfte riss der Strom nicht ab. Das dritte und vierte Quartal brachten jeweils weitere 13 Milliarden Euro an neuem Kapital. Diese Konstanz belegt, dass institutionelle wie private Anleger das Vertrauen in die europäischen Märkte systematisch wiederaufbauen.

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Investoren setzen auf globale Diversifikation statt reiner US-Konzentration

Ein detaillierter Blick auf die Daten zeigt, dass Anleger US-Aktien nicht gänzlich meiden, sondern ihre Zugriffsmethode ändern. Das reine 'US-Play' wird durch breiter gestreute Instrumente ersetzt. Global Large-Cap Blend ETFs sammelten allein im vierten Quartal beeindruckende 16,6 Milliarden Euro ein.

Obwohl diese Fonds oft weiterhin eine US-Gewichtung von 60 bis 70 Prozent aufweisen, signalisiert der Wechsel des Vehikels ein geändertes Risikobewusstsein. Das Klumpenrisiko einer reinen US-Wette wird zugunsten einer geografisch diversifizierten Allokation reduziert.

Währungsabsicherung und kurze Laufzeiten dominieren den Anleihenmarkt

Im Fixed-Income-Segment manifestiert sich das Sicherheitsbedürfnis noch deutlicher. USD-hedged Bond-Strategien erlebten 2025 einen regelrechten Boom, mit Zuflüssen von 12,7 Milliarden Euro allein im Schlussquartal. Investoren sind bereit, höhere Gebühren für den Währungsschutz zu zahlen, um die Volatilität des US-Dollars auszuklammern.

Parallel dazu flüchtet das Kapital in Flexibilität. Kurzlaufende Anleihen-Strategien (Short Duration) sammelten im Jahr 2025 insgesamt 105,5 Milliarden Euro ein – ein massiver Anstieg gegenüber den 65,6 Milliarden Euro des Vorjahres.

Die Botschaft ist unmissverständlich: In einem unsicheren Zinsumfeld wird Liquidität und geringe Zinsbindungsdauer höher bewertet als das letzte Quäntchen Rendite am langen Ende der Kurve.

Schwellenländer fungieren paradoxerweise als neuer Stabilitätsanker

Entgegen der klassischen Lehrmeinung werden Emerging Markets zunehmend als Diversifikator gegen US-Risiken genutzt. Nach Jahren der Abflüsse zogen Anleihen aus Schwellenländern 2025 netto 24,3 Milliarden Euro an.

Auch am Aktienmarkt ist das Interesse zurück: Schwellenländer-ETFs verzeichneten im vierten Quartal Zuflüsse von 12,5 Milliarden Euro. Wenn die US-Politik als unberechenbar wahrgenommen wird, sinkt die Korrelation zu Märkten wie Indien oder China, was diese Assets für das Risikomanagement attraktiv macht.

Rekordzuflüsse verändern die Machtbalance der großen ETF-Anbieter

Der europäische ETF-Markt erreichte 2025 ein Rekordvermögen von 2,72 Billionen Euro, getrieben durch Nettozuflüsse von 337,5 Milliarden Euro. Von dieser Entwicklung profitierten die Anbieter in unterschiedlichem Maße.

Marktführer iShares sicherte sich mit 122 Milliarden Euro den Löwenanteil der Zuflüsse, gefolgt von Amundi mit 46,8 Milliarden Euro und Xtrackers mit 27,3 Milliarden Euro. Das Jahr 2025 markiert damit das Ende der einseitigen Tech-Dominanz und den Beginn einer breiteren, defensiveren Marktphase.

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