Der operative Verlust kommt früher und fällt höher aus als erwartet. LG Energy Solution rechnet für das vierte Quartal mit einem Minus von 122 Milliarden Won. Analysten hatten deutlich weniger prognostiziert. Der Einbruch ist ein Signal – nicht nur für den Konzern aus Seoul, sondern für die gesamte Lieferkette der Elektromobilität.
Die Nachfrage der Autohersteller bricht schneller weg als geplant
LG Energy Solution leidet unter der nachlassenden Dynamik im globalen E-Automarkt. Mehrere Hersteller haben ihre Produktionspläne zurückgefahren, Investitionen gestreckt oder Modellanläufe verschoben. Die Batterieabrufe folgen dieser Entwicklung mit Verzögerung – und fallen nun spürbar geringer aus.
Besonders schmerzhaft ist die Entwicklung in Nordamerika. Dort beliefert LGES unter anderem Tesla und General Motors. Beide Konzerne haben zuletzt vorsichtiger auf die Marktnachfrage reagiert und ihre E-Auto-Strategien angepasst. Für einen Zulieferer mit hohen Fixkosten wirkt sich jede Korrektur unmittelbar auf die Marge aus.
Steueranreize kaschieren das wahre Ausmaß der Belastung
In der Prognose für das vierte Quartal sind Steuergutschriften aus dem Inflation Reduction Act enthalten. Diese Förderungen für die Batterieproduktion in den USA dämpfen den Verlust erheblich. Ohne sie hätte LG Energy Solution ein operatives Minus von 455 Milliarden Won ausgewiesen.
Die Zahlen zeigen, wie stark das Geschäftsmodell derzeit von politischen Rahmenbedingungen abhängt. Der operative Kern gerät unter Druck, während staatliche Anreize das Ergebnis stabilisieren. Für Investoren ist das eine heikle Konstellation: Die Ertragskraft hängt weniger von der Marktnachfrage als von der Förderpolitik ab.
Politische Risiken in den USA verschärfen die Unsicherheit
Zusätzliche Unsicherheit kommt aus Washington. Die energiepolitische Linie der US-Regierung unter Donald Trump sorgt in der Branche für Nervosität. Änderungen bei Subventionen, Förderkriterien oder lokalen Produktionsauflagen könnten bestehende Kalkulationen infrage stellen.
Für LG Energy Solution ist Nordamerika ein Schlüsselmarkt. Der Konzern hat dort Milliarden in neue Werke investiert, um von der regionalen Batteriefertigung zu profitieren. Politische Kurswechsel treffen diese Strategie direkt – und erhöhen das Risiko, dass Kapazitäten nicht ausgelastet werden.
Der geplatzte Ford-Auftrag wirkt länger nach
Ein besonders deutliches Zeichen der Marktabkühlung war die Kündigung eines Batterievertrags im Volumen von 9,6 Billionen Won durch Ford. Der US-Autobauer hatte seine Prognose für den Elektroauto-Markt gesenkt und damit die Grundlage für den Deal entzogen.
Für LG Energy Solution ist der Verlust mehr als ein einzelner Auftrag. Er unterstreicht, wie schnell sich langfristige Planungen in der E-Mobilität als fragil erweisen können. Großaufträge gelten in der Branche als Fundament für Investitionsentscheidungen – fallen sie weg, kippt die Wirtschaftlichkeit ganzer Projekte.
Der Batteriemarkt verliert seinen Wachstumskonsens
Noch vor zwei Jahren galt die Batterieindustrie als einer der sichersten Wachstumsmärkte der Industrie. Heute dominieren Zurückhaltung und Neubewertung. Hohe Zinsen, geringere Kaufanreize für E-Autos und eine insgesamt vorsichtigere Konsumstimmung bremsen die Nachfrage.
LG Energy Solution steht exemplarisch für diesen Stimmungswechsel. Der Konzern verfügt über technologische Stärke, globale Kundenbeziehungen und politische Rückendeckung durch Förderprogramme. Trotzdem reicht das derzeit nicht aus, um die operative Profitabilität zu sichern.
Der Markt wartet auf belastbare Signale aus der Endnachfrage
Die endgültigen Quartalszahlen will LG Energy Solution am 29. Januar vorlegen. Entscheidend wird weniger das exakte Verlustausmaß sein als der Ausblick. Investoren suchen nach Hinweisen, ob sich die Abrufe der Autohersteller stabilisieren oder weiter zurückgehen.