Der niedersächsische Stahlkonzern Salzgitter AG vollzieht am 11. Februar 2026 einen strategischen Kurswechsel in Richtung Verteidigungsindustrie. Durch die Übernahme des mittelständischen Spezialisten Thyrolf & Uhle GmbH aus Dessau-Roßlau baut der Konzern seine Kompetenzen bei der Bearbeitung von Sicherheitsstahl massiv aus. Die Börse quittierte den Zukauf mit einem Kursplus von zeitweise 3,89 Prozent auf 56,10 Euro im XETRA-Handel.
Mit der Übernahme sichert sich Salzgitter wertvolles Know-how und spezifische Zertifizierungen, die für die Belieferung des militärischen Fahrzeugbaus und den Schutz kritischer Infrastruktur unerlässlich sind. Salzgitter-Chef Gunnar Groebler betonte, dass Deutschland und Europa eine leistungsfähige Basis für Werkstoffe im Verteidigungsbereich benötigten – ein Wachstumsmarkt, den Salzgitter nun gezielter bedienen will.

Werkstoffkompetenz aus Dessau: Ein Traditionsbetrieb für die Zeitenwende
Die Thyrolf & Uhle GmbH blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1859 reicht. Das Unternehmen, das 1993 durch einen Management-Buy-Out aus dem ehemaligen VEB Zementanlagenbau Dessau hervorging, beschäftigt aktuell rund 100 hochqualifizierte Mitarbeiter. Als Hersteller von Stahlkomponenten und komplexen Baugruppen ergänzt der Betrieb das Portfolio von Salzgitter ideal, insbesondere da der zivile und militärische Fahrzeugbau in ganz Europa an Bedeutung gewinnt.
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Freigaben, was in der sensiblen Verteidigungsbranche jedoch als Formsache gilt. Analysten werten den Schritt als klugen Schachzug im Rahmen des aktiven Portfoliomanagements, um die Abhängigkeit vom klassischen, oft zyklischen Stahlgeschäft zu verringern und von den steigenden Verteidigungsausgaben in der EU zu profitieren.
Charttechnik: Salzgitter-Aktie nimmt Kurs auf Jahreshoch
Der Kurssprung am Mittwochnachmittag hat das Chartbild der Salzgitter-Aktie deutlich aufgehellt. Mit dem Überschreiten der 56-Euro-Marke rückt das bisherige Jahreshoch wieder in greifbare Nähe. Investoren sehen in der Expansion in den Rüstungssektor eine langfristige Absicherung der Margen, da Spezialstähle für gepanzerte Fahrzeuge und Sicherheitsinfrastruktur deutlich höhere Renditen versprechen als Standard-Flachstahl.
Salzgitter positioniert sich damit neben Branchengrößen wie Rheinmetall und Renk als wichtiger Zulieferer für die europäische Sicherheitsarchitektur. Der Zukauf in Dessau-Roßlau dürfte daher nur der erste Schritt in einer Reihe von Investitionen sein, mit denen der Konzern seine Rolle als systemrelevanter Werkstoffpartner festigen möchte.


