19. Mai, 2024

Wirtschaft

Nippon Steel setzt auf Akquisition von US Steel trotz politischer Spannungen

Nippon Steel setzt auf Akquisition von US Steel trotz politischer Spannungen

Die ambitionierten Expansionspläne von Nippon Steel zeigen keine Anzeichen einer Verlangsamung, da das Unternehmen weiterhin engagiert an der Übernahme von US Steel festhält. Das Vorhaben, welches mit einem Volumen von 14,9 Milliarden Dollar veranschlagt ist, soll nach der Präsidentschaftswahl in den USA zu 'ruhigeren Gesprächen' führen, so die Erwartung der japanischen Führungsspitze. Takahiro Mori, der Vorsitzende des Stahlproduzenten, räumte ein, dass das Geschäft stark politisiert wurde, betonte jedoch beim Jahresergebnis des Unternehmens, dass keine weiteren Zugeständnisse an die Gewerkschaften geplant seien.

Trotz des politischen Gegenwinds sei der Zusammenschluss darauf ausgerichtet, US Steel zu stärken, beschwichtigte Mori und verwies auf die Zusicherung, dass der Merger keine Arbeitsplatzverluste oder Werksschließungen nach sich ziehen wird. Interessanterweise wird ebenfalls das US-Hauptquartier von Nippon Steel von Houston nach Pittsburgh verlegt werden.

Die europäische Union gab Anfang der Woche grünes Licht für das Geschäft, während auf der anderen Seite eine verschärfte kartellrechtliche Prüfung durch US-Gesetzgeber bekannt wurde. Diese könnte die Fertigstellung der Akquisition in das dritte oder vierte Quartal des Jahres hinauszögern, so Nippon Steel.

Die politische Auseinandersetzung über das Geschäft erstreckt sich über das Parteienspektrum der USA mit kritischen Äußerungen sowohl des amtierenden Präsidenten Joe Biden als auch des ehemaligen Präsidenten Donald Trump. Beide präsentieren sich als Anwälte der Arbeiterklasse in dem entscheidenden Bundestaat Pennsylvania, wo US Steel ansässig ist.

Mori bleibt trotz der öffentlichen Widerstände zuversichtlich und sieht nach der Wahl eine Möglichkeit für sachlichere Verhandlungen ohne den politischen Druck der Gewerkschaft United Steelworkers. Zudem stellt er klar, dass das bereits im April von den Aktionären von US Steel genehmigte Angebot keine alternativen Käufer zulasse.

Nippon Steel vermeldete parallel seine Jahresergebnisse, die einen Nettoertrag von 549,4 Milliarden Yen (etwa 3,53 Milliarden Dollar) ausweisen. Dies bedeutet einen Rückgang von 20,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was hauptsächlich auf höhere Kosten für Rohstoffe und den Druck durch steigende chinesische Exporte zurückzuführen ist. Der Nachfragerückgang auf 'ein noch nie dagewesenes Niveau' im zweiten Halbjahr 2023 ist eine weitere Herausforderung, die das Unternehmen den Entwicklungen in der chinesischen Wirtschaft und der gedämpften Wirtschaftsstimmung in den USA und Europa zuschreibt.