04. September, 2026

Vermögen

Selfmade statt Erbe: Die zwölf Newcomer unter den 500 reichsten Deutschen

Krypto, Finanzdaten, Schifffahrt, Bau: Zwölf Namen schaffen 2025 neu den Sprung in die deutsche Reichenliste. Wer sie sind, woher ihr Geld kommt — und warum kaum noch Industrie dabei ist.

Der seltenste Karriereschritt Deutschlands

Es gibt rund 3,8 Millionen Unternehmen in Deutschland. Zwölf ihrer Eigentümer haben es in diesem Jahr neu in die Rangliste der 500 reichsten Deutschen geschafft — die Einstiegshürde liegt bei 400 Millionen Euro. Statistisch ist der Aufstieg in diese Liste damit deutlich unwahrscheinlicher als ein Lottogewinn über die gesamte Lebenszeit. Umso aufschlussreicher ist, wer ihn schafft.

Woher das neue Geld kommt

Das klassische Muster der deutschen Reichenliste ist die Erbfolge: Familie, Stiftung, Beteiligungsgesellschaft. Die Newcomer des Jahres 2025 brechen damit fast vollständig. Kein einziger der zwölf Neuzugänge verdankt seinen Eintrag primär einer Erbschaft.

Stattdessen dominieren drei Gruppen. Erstens die digitale Ökonomie: Eric Demuth, Mitgründer der Wiener Krypto-Handelsplattform Bitpanda, steht exemplarisch für Vermögen, die in weniger als einem Jahrzehnt entstanden sind — sein Profil zeigt den Weg vom Hamburger Industriekaufmann zum Fintech-Milliardär. In dieselbe Kategorie fällt Michael C. Jakob, Gründer der Finanzresearch-Plattform AlleAktien und des Finanzdatenanbieters Eulerpool, der mit geschätzten 2,6 Milliarden Euro auf Platz 99 einsteigt — als einziger Newcomer direkt in den Top 100.

Zweitens die alte See- und Bauwirtschaft: Der Leeraner Reeder Roelf Briese und mehrere Bauunternehmerfamilien profitieren von Jahren, in denen Charterraten und Baupreise historische Höchststände erreichten. Drittens der Mittelstand im engeren Sinn — Maschinenbau, Labordienstleistung, Handel —, der leise wächst, bis eine Bewertungsrunde oder ein Teilverkauf das Vermögen sichtbar macht.

Warum die Industrie fehlt

Bemerkenswert ist, was fehlt: Kein einziger Newcomer kommt aus der Automobil- oder Zulieferindustrie, jahrzehntelang die Vermögensmaschine des Landes. Die Verschiebung spiegelt den Umbau der deutschen Wirtschaft präziser als jede Statistik — Kapital entsteht dort, wo Software, Daten und Handelsplattformen skalieren, nicht mehr dort, wo Bleche gepresst werden.

Das Investoren Magazin führt zu allen 500 Einträgen der Liste eigene Vermögensprofile mit Werdegang, Beteiligungsstruktur und Einordnung. Die Profile der Newcomer lohnen sich besonders: Sie zeigen, mit welchen Geschäftsmodellen in Deutschland heute noch neue Milliardenvermögen entstehen — und in welchen Branchen die Tür faktisch zu ist.

Was Anleger daraus lernen

Für Investoren sind die Newcomer die interessanteste Kohorte der Liste. Erben halten, was da ist. Newcomer zeigen, wo Bewertungen gerade entstehen: Krypto-Infrastruktur, Finanzdaten, Spezialschifffahrt, energienaher Mittelstand. Wer die Reichenliste als Frühindikator liest statt als Klatschspalte, bekommt eine kostenlose Sektorrotations-Analyse — bezahlt mit dem Vermögen derer, die vorne stehen.