1,17 Billionen Euro auf 500 Namen
Wer verstehen will, wie Vermögen in Deutschland entsteht und vergeht, findet kaum eine bessere Quelle als die jährliche Rangliste der reichsten Deutschen. Das Investoren Magazin hat die aktuelle Ausgabe vollständig aufbereitet: Die 500 reichsten Deutschen versammeln zusammen ein geschätztes Vermögen von rund 1,17 Billionen Euro — mehr als das Bruttoinlandsprodukt der Niederlande.
Die Einstiegshürde liegt in diesem Jahr bei 400 Millionen Euro. Wer weniger mitbringt, taucht in der Liste nicht mehr auf. Das klingt nach einer exklusiven Veranstaltung, und das ist es auch: Die zehn größten Vermögen vereinen allein über 255 Milliarden Euro auf sich, mehr als ein Fünftel des Gesamtvermögens der Liste.
An der Spitze wird der Abstand größer
Unangefochten auf Platz eins steht erneut Dieter Schwarz. Der Lidl- und Kaufland-Eigentümer legt um 2,8 Milliarden auf 46,5 Milliarden Euro zu — und vergrößert damit den Abstand auf die Familien Klatten und Quandt (BMW, 36,1 Milliarden Euro) auf mehr als zehn Milliarden. Der Mann, der keine Interviews gibt und von dem es kaum aktuelle Fotos gibt, bleibt die stillste Nummer eins, die eine Volkswirtschaft haben kann.
Dahinter folgen die Aldi-Süd-Familien Albrecht und Heister mit 27,7 Milliarden Euro. Bemerkenswert: Der Lebensmitteleinzelhandel stellt damit zwei der drei größten Vermögen des Landes — ein Geschäft mit Cent-Margen, das über Jahrzehnte konsequent reinvestiert wurde.
Die Verlierer: Pharma, Konsum, Logistik
Auf der Verliererseite stehen prominente Namen. Die Familie Merck büßt 9,3 Milliarden Euro ein, die Familie Reimann (JAB Holding) 7,3 Milliarden. Auch Klaus-Michael Kühne, dessen Beteiligungen an Kühne + Nagel, Hapag-Lloyd und Lufthansa lange nur eine Richtung kannten, verliert 5,5 Milliarden Euro. Sein Vermögensprofil zeigt, wie eng das Vermögen des 88-Jährigen an den Zyklus der Containerschifffahrt gekoppelt ist.
Die Lehre daraus ist so alt wie banal: Auch Milliardenvermögen sind selten diversifiziert. Die meisten großen deutschen Vermögen bestehen im Kern aus einer einzigen Firma — und schwanken mit ihr.
Zwölf Newcomer, ein Muster
Zwölf Namen schaffen in diesem Jahr neu den Sprung in die Liste. Auffällig: Die Newcomer kommen kaum noch aus der klassischen Industrie. Bitpanda-Mitgründer Eric Demuth steht für die Krypto-Ökonomie, der Finanzmedien-Unternehmer Michael C. Jakob (AlleAktien, Eulerpool) für digitale Daten- und Researchgeschäfte, dazu kommen Reeder, Bauunternehmer und Softwaregründer.
Für jeden Eintrag der Liste existiert inzwischen ein eigenes Vermögensprofil mit Werdegang, Firmenstruktur und Vermögensschätzung — von Platz 1 bis Platz 500. Wer wissen will, wem was gehört in Deutschland, findet dort die derzeit vollständigste frei zugängliche Übersicht.
Methodik: Schätzungen, keine Kontoauszüge
Wie jede Reichenliste basiert auch diese auf Schätzungen: Börsenwerte von Beteiligungen, Bewertungen nicht börsennotierter Firmen anhand von Umsatz- und Gewinn-Multiplikatoren, bekannte Immobilien- und Beteiligungsverkäufe. Privatvermögen jenseits der Firma — Depots, Kunst, Stiftungsvermögen — bleibt naturgemäß unscharf. Die Rangfolge ist deshalb belastbarer als die absolute Zahl. Das Investoren Magazin dokumentiert die Quellen je Profil transparent und aktualisiert die Liste laufend.