18. Juli, 2024

Politik

Neue Hoffnung für Waffenruhe im Gazastreifen: Israel prüft Vorschlag der Hamas

Neue Hoffnung für Waffenruhe im Gazastreifen: Israel prüft Vorschlag der Hamas

In den hartnäckigen Verhandlungen um eine Waffenruhe im Gazastreifen prüft Israel derzeit einen neuen Vorschlag der Hamas. Die islamistische Organisation hat den Vermittlerstaaten USA, Katar und Ägypten einen Kompromiss-Entwurf übermittelt, der nun das Interesse des israelischen Verhandlungsteams geweckt hat. Wie das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mitteilte, wird Israel den Vorschlag sorgfältig analysieren und den Vermittlern baldmöglichst eine Antwort zukommen lassen.

Die Hamas bestätigte, dass man sich aktiv mit den Vermittlern austausche, um den Krieg zu beenden und die vollständige Rückkehr der israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen zu erreichen. Die Details des Vorschlags und mögliche Abweichungen zu bisherigen Plänen bleiben allerdings vorerst unklar.

Seit Monaten laufen indirekte Verhandlungen über eine Waffenruhe sowie die Freilassung israelischer Geiseln aus der Gewalt der Hamas, bisher ohne nennenswerten Erfolg. Auch ein dreistufiger Plan, den US-Präsident Joe Biden im Mai vorgestellt hatte, brachte keinen Durchbruch.

Der von Biden vorgelegte Plan sah zunächst eine temporäre Feuerpause vor, während derer weibliche, alte und kranke israelische Geiseln freikommen sollten. Im Gegenzug sollten in Israel inhaftierte Palästinenser freigelassen werden. In der darauffolgenden Phase wären die Kämpfe dauerhaft eingestellt und die übrigen Geiseln freigelassen worden, bevor schließlich mit dem Wiederaufbau des Gazastreifens begonnen werden sollte.

Der UN-Sicherheitsrat unterstützte diesen Vorschlag mit einer entsprechenden Resolution. Die Hamas forderte jedoch sofortige Änderungen und verlangte einen dauerhaften Waffenstillstand bereits im ersten Schritt, was die israelische Regierung bislang strikt ablehnte. Israel betont weiterhin, der Krieg werde erst enden, wenn alle Ziele, insbesondere die Zerschlagung der Hamas und die Befreiung aller Geiseln, erreicht seien.

Der verheerende Überfall von Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober, bei dem 1.200 Menschen getötet und 250 als Geiseln genommen wurden, war der Auslöser dieses aktuellen Konflikts. Nach schwer nachvollziehbaren palästinensischen Angaben seien mittlerweile Zehntausende Opfer zu beklagen. Derzeit werden noch 120 Geiseln im Gazastreifen vermutet, wobei ihr Schicksal weitgehend ungewiss ist.

Präsident Isaac Herzog betonte gestern in seiner Rede vor dem Parlament, dass man das Schicksal der Geiseln keinesfalls vergesse. "Das Volk Israel vergisst in keinem Moment", so Herzog. Unterstützung für einen Geiseldeal sei in der Bevölkerung umfangreich vorhanden.

Angehörige der Geiseln kritisieren jedoch die israelische Regierung, deren Verhandlungsführung sie als zu zögerlich empfinden. Sie vermuten, dass Premierminister Netanjahu Rücksicht auf seine ultrareligiösen und rechtsextremen Koalitionspartner nehmen müsse, die jeglichen Dialog mit den Hamas ablehnen.