19. Mai, 2024

Politik

Moskauer Machtwechsel: Putin entlässt Verteidigungsminister Schoigu

Moskauer Machtwechsel: Putin entlässt Verteidigungsminister Schoigu

In einem überraschenden Schritt hat der russische Staatschef Wladimir Putin seinen langjährigen Verteidigungsminister Sergej Schoigu abberufen und durch den bisherigen Vize-Regierungschef Andrej Beloussow ersetzt. Dieser Wechsel an der Spitze des Militärministeriums, verkündet durch das Oberhaus des russischen Parlaments, zählt zu den prominentesten Personalentscheidungen nach der umstrittenen Präsidentenwahl und der sich anschließenden Regierungsbildung. Schoigu, der seit 2012 im Amt war, wird neuen Aufgaben als Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates entgegensehen, während sein Nachfolger Nikolai Patruschew in naher Zukunft in anderer Funktion weiterwirken wird. Diese Entscheidung markiert eine signifikante Veränderung in Putins Team: Beloussow, ein Zivilist, steht jetzt an der Führungsspitze einer Institution, die durch militärische Kommandeure geprägt war. Kremlsprecher Dmitri Peskow unterstreicht die strategische Bedeutung von Technologie und Innovation auf dem "Schlachtfeld der Zukunft" und betont sowohl Beloussows Expertise in wirtschaftlichen Belangen als auch seine politische Erfahrung. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass Putin den Schwerpunkt auf die Leistungsfähigkeit der Rüstungsindustrie legt, im Vergleich zum bisherigen Ansatz, der auf Sicherheits- und Militärapparat fokussierte. Darüber hinaus weist die Ernennung auf eine intensivierte Kontrolle über die Verteidigungsausgaben hin, die mittlerweile eine Schlüsselrolle im russischen Budget einnehmen. Litauens Präsident Gitanas Nauseda interpretiert die Abberufung Schoigus als ein Signal an die russische Öffentlichkeit und ein Zeichen dafür, dass Putin den Krieg durch industrielle Kapazitäten und nicht durch eine erhöhte Mobilmachung vorantreiben will. Ein offizieller Grund für die Entlassung Schoigus wurde nicht genannt, jedoch waren zuvor Unregelmäßigkeiten und Verhaftungen im Umfeld des Ministeriums aufgetreten, die auf interne Konflikte hindeuteten. Mit der Bestätigung sowohl von Ministerpräsident Michail Mischustin als auch des erfahrenen Außenministers Sergej Lawrow bleibt das Kernteam Putins größtenteils beständig, und der Fokus liegt nun verstärkt auf der strategischen Ausrichtung der militärischen und wirtschaftlichen Ressourcen Russlands.