21. Mai, 2024

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„USA“: Modischer Fauxpas oder Code?

Eine umstrittene Initiative von Zalando und Partnern wirft Licht auf das dunkle Spiel mit Codes in der Modebranche. „USA“ und „Jogger“: Was steckt hinter den gebrandmarkten Begriffen?

„USA“: Modischer Fauxpas oder Code?
Zalando wagt sich auf dünnes Eis: Ihre neue Anti-Nazi-Liste hat mehr als nur ein paar Augenbrauen hochgezogen.

Zalando, der Gigant des Online-Handels, hat in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Verein „Laut gegen Nazis“ und der renommierten Agentur Jung von Matt, bekannt für ihre kreativen Kampagnen, einen kontroversen Schritt gewagt.

Die Kampagne „Fashion against Fascism“ zielt darauf ab, das Modedesign von rechtsextremen Botschaften zu reinigen – ein Vorhaben, das auf den ersten Blick uneingeschränkt Zustimmung finden sollte. Doch die Teufel steckt, wie so oft, im Detail.

Unter den kritischen Augen der Öffentlichkeit hat Zalando eine umfangreiche Liste vorgelegt, die sogenannte "rechte Codes" auf Kleidungsstücken enttarnen soll. Diese Liste, die zusammen mit Wettbewerbern wie Bon Prix und About You entstanden ist, beinhaltet nicht nur nachweislich rechtsextreme Symbole und Zahlen, sondern auch alltägliche Begriffe und Akronyme – darunter „USA“ und „Jogger“.

Laut Zalando stehen diese nicht nur für geografische Bezeichnungen oder sportliche Betätigungen, sondern fungieren ebenso als Chiffren für rechtsextreme Gesinnungen. Ein Schachzug, der in der Theorie dazu dienen soll, die Verbreitung von Hass und Diskriminierung zu verhindern, in der Praxis jedoch für hitzige Debatten sorgt.

Absurde Codes und echte Fragen

Die Absurdität einiger Einträge auf dieser Liste lässt manchen Leser verwundert zurück. So soll „USA“, ein weltweit bekanntes Kürzel für die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Zalandos Interpretation auch für „Unser seliger Adolf“ stehen – eine Behauptung, die bei vielen auf Unverständnis stößt.

Gleiches gilt für den Begriff „Jogger“, der nun neben seiner wörtlichen Bedeutung eine düstere, rassistische Konnotation tragen soll, basierend auf der Instrumentalisierung eines tragischen Ereignisses durch rechtsradikale Gruppen.

Die Initiative „Fashion against Fascism“ verfolgt zweifellos ein edles Ziel: den Kampf gegen Rechtsextremismus. Doch die Methodik – eine Liste, die in ihrer breiten Fassung fast willkürlich anmutet – wirft Fragen auf. Sie zwingt Unternehmen und Konsumenten gleichermaßen in eine Rolle, die von Skepsis und Paranoia geprägt ist.

Die Furcht, unbeabsichtigt extremistische Botschaften zu verbreiten, könnte eine Atmosphäre der Unsicherheit in einer Branche schaffen, die von Kreativität und Ausdrucksfreiheit lebt.

Kontext ist König

Pascal Brun, ein Vorstand bei Zalando, verteidigt die Liste als Werkzeug, das Unternehmen dabei helfen soll, ihre Produkte sorgfältig zu prüfen.

„Nur gemeinsam können wir verhindern, dass Produkte mit fragwürdigen Aufdrucken verbreitet oder verkauft werden“, betont er.

Diese Worte unterstreichen die Notwendigkeit einer kollektiven Anstrengung im Kampf gegen Hass und Diskriminierung. Doch bleibt die Frage, ob der gewählte Ansatz der richtige ist.