27. Mai, 2024

Wirtschaft

Missklänge im Privatkundengeschäft: Deutsche Bank kämpft mit Postbank-Integration und juristischen Altlasten

Missklänge im Privatkundengeschäft: Deutsche Bank kämpft mit Postbank-Integration und juristischen Altlasten

Die Integration der Postbank in die IT-Strukturen der Deutschen Bank hat im vergangenen Jahr nicht den erhofften reibungslosen Verlauf genommen, was von Aktionären in der Hauptversammlung, weiterhin im digitalen Format abgehalten, massiv kritisiert wurde. Alexandra Annecke von Union Investment brandmarkte die IT-Probleme als "Blamage" und warf der Bank vor, Kunden im Stich gelassen zu haben. Ein Bild, das auch Andreas Thomae von Deka Investment zeichnete, indem er erklärte, das Kundengeschäft habe "lichterloh" gebrannt und Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts sowie Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing gestanden ihre Qualitätsziele verfehlt zu haben.

Dem Konzern sind durch die misslungene Migration nicht nur finanzielle Einbußen, sondern auch Imageverluste entstanden. Die Finanzaufsicht Bafin reagierte auf die Schwierigkeiten und sendete einen Sonderbeauftragten. Sewing betonte in der Hauptversammlung die Notwendigkeit, den Kundenservice zu optimieren.

Neben operativen Herausforderungen sieht sich das größte Kreditinstitut Deutschlands mit einer potenziellen Niederlage vor Gericht konfrontiert. In einem Rechtsstreit um die Angemessenheit von Zwangsabfindungen ehemaliger Postbank-Aktionäre steht die Deutsche Bank unter Druck, nachdem das Oberlandesgericht Köln eine Klageentscheidung zugunsten der Kläger angedeutet hat. Infolgedessen wurde für das Geschäftsergebnis des laufenden Jahres eine Rückstellung von 1,3 Milliarden Euro getroffen - nur einen Tag nach einem Quartalsergebnis, das Rekordzahlen verzeichnete.

Der Vorgang rief bei Thomae Befremden hervor und stellt die umsichtige Risikobewertung des Vorstands in Frage. Sewing verteidigte indes die Position des Instituts, vor abschließender Kontrolle über die Postbank gestanden zu haben.

Mit einer Flut von etwa 46 Zivilverfahren, eingeleitet von über 300 Klägern, hauptsächlich internationalen Hedgefonds und institutionellen Anlegern, verteidigt sich die Bank gegen Forderungen, die sich auf circa 662 Millionen Euro belaufen. Rechtsvorstand Stefan Simon erläuterte, dass das Gesamtrisiko einschließlich Zinsen auf etwa 1,3 Milliarden Euro steigt. Trotz bisheriger Zuversicht im Rechtsstreit zu siegen, hat die Bank, nach neuester Einschätzung des Oberlandesgerichts Köln, mittlerweile Rückstellungen gebildet. Eine vollständig unerwartete Wendung für die Deutsche Bank, welche die bisherigen Siege im Gerichtssaal nun in Frage stellt.