Es ist eine paradoxe Situation, die sich derzeit in der Konzernzentrale von Foxconn abspielt. Einerseits reitet der weltgrößte Elektronik-Auftragsfertiger auf einer gigantischen Erfolgswelle: Die Nachfrage nach Hochleistungsrechnern für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) ist so hoch wie nie zuvor. Andererseits blicken Investoren auf ein Zahlenwerk, das trotz glänzender Fassade tiefe Risse im Gebälk offenbart.
Im vierten Quartal 2025 schoss der Umsatz um satte 22 Prozent nach oben – ein klares Signal, dass Foxconn der unverzichtbare Werkstattservice für die Tech-Giganten im Silicon Valley bleibt.
Doch beim Blick auf das Endergebnis folgt die Ernüchterung. Statt des von Analysten herbeigesehnten Gewinnsprungs auf über sieben Milliarden Euro lieferte der Konzern lediglich rund fünf Milliarden Euro ab. Ein Schrumpfen des Profits um zwei Prozent in einer Phase des absoluten Booms ist ein Warnsignal, das die Börsen weltweit aufhorchen lässt. Foxconn mag die Hardware für die Zukunft bauen, doch die finanzielle Ernte fällt aktuell deutlich magerer aus als erwartet.

Die Steuerfalle schnappt im Moment des größten Triumphs zu
Wie kann ein Unternehmen mehr verkaufen und gleichzeitig weniger verdienen? Foxconn-Chef Young Liu lieferte die Antwort in einer Telefonkonferenz am Montag prompt: Eine deutlich höhere Steuerquote hat den Profit regelrecht zerfressen. Während der operative Motor unter Volllast läuft, ziehen staatliche Begehrlichkeiten und steuerliche Sondereffekte die Bilanz ins Minus. Es ist ein klassischer Dämpfer für ein Unternehmen, das sich in einem rasanten Transformationsprozess befindet.
Die Enttäuschung der Analysten ist greifbar. Man hatte fest damit gerechnet, dass Foxconn die Effizienzgewinne aus der KI-Produktion direkt in Dividenden und Reinvestitionen ummünzen kann. Der Rücksetzer auf fünf Milliarden Euro zeigt jedoch, dass auch globale Giganten nicht gegen makroökonomische und fiskalische Gegenwinde immun sind. Foxconn baut zwar die Rechenzentren der Zukunft, kämpft aber mit den profanen Problemen der Gegenwart.
Der KI-Rausch ist kein kurzfristiges Phänomen sondern eine strukturelle Revolution
Trotz der Gewinn-Enttäuschung gibt sich Young Liu kämpferisch und visionär. Für ihn ist der aktuelle Boom bei KI-Servern erst der Anfang einer jahrelangen Aufwärtsbewegung. „Das starke KI-Wachstum beschränkt sich nicht nur auf die letzten ein oder zwei Jahre“, betonte Liu vor Investoren. Er prophezeit, dass sich dieser Trend mindestens über die nächsten zwei bis drei Jahre fortsetzen wird. Foxconn positioniert sich damit als das unverzichtbare Fundament, auf dem die digitale Revolution errichtet wird.

Diese Langfrist-Strategie ist das wichtigste Argument, um die verschreckten Anleger bei der Stange zu halten. Wenn die Hardware-Infrastruktur für KI-Anwendungen zum neuen Standard der Weltwirtschaft wird, sitzt Foxconn an der Quelle. Der Bau dieser komplexen Hochleistungsrechner erfordert eine Expertise und Fertigungstiefe, die kaum ein anderer Konkurrent in diesem Maßstab bieten kann. Der aktuelle Gewinneinbruch könnte somit als vorübergehendes Schlagloch auf einer ansonsten steilen Karriereleiter betrachtet werden.
Die vage Prognose für 2026 lässt Raum für Spekulationen und Hoffnungen
Für das laufende Quartal und das gesamte Jahr 2026 verspricht Liu weiterhin ein „starkes Wachstum“. Auffällig bleibt jedoch die Zurückhaltung bei konkreten Zahlen. In einer Branche, die so volatil ist wie die Elektronikfertigung, ist diese Vorsicht verständlich, schürt aber auch Unsicherheit. Kann Foxconn die Margen wieder stabilisieren, wenn die steuerlichen Sondereffekte abklingen? Oder fressen die hohen Investitionskosten für die Umstellung der Fabriken auf KI-Hardware die Gewinne auch künftig auf?
Die Marschrichtung ist dennoch klar: Foxconn wird alles auf die Karte KI setzen. Die Abhängigkeit vom schwächelnden Smartphone-Markt soll durch die Dominanz im Server-Geschäft kompensiert werden. Der Konzern wandelt sich vom reinen Montagebetrieb für Handys zum High-Tech-Schmied der nächsten technologischen Ära. Ob dieser Plan aufgeht, wird davon abhängen, ob Foxconn lernt, die gewaltigen Umsätze auch effizient in Nettogewinne zu verwandeln.
Am Ende des Tages nützen die schnellsten Rechner der Welt wenig, wenn das Finanzamt schneller beim Zugriff auf die Gewinne ist.



