23. Juni, 2024

Wirtschaft

Miele auf Sparkurs: Stellenabbau und neuer Tarifvertrag geplant

Miele auf Sparkurs: Stellenabbau und neuer Tarifvertrag geplant

Der deutsche Hausgerätehersteller Miele plant, in den kommenden Jahren knapp jede neunte Stelle in Deutschland abzubauen. Von den derzeit rund 11.700 Arbeitsplätzen in der Bundesrepublik sollen voraussichtlich rund 1.300 wegfallen. Dies teilte das Unternehmen am Freitag in Gütersloh mit, zeitgleich wurde eine Einigung auf einen neuen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi verkündet. Der Zukunfts- und Sozialtarifvertrag, der Anfang August 2024 in Kraft tritt und bis Ende Dezember 2028 gültig ist, sieht umfassende Investitionen von 500 Millionen Euro vor. Um den Personalabbau sozial verträglich zu gestalten, plant Miele unter anderem Abfindungen und Vorruhestandsregelungen. Betriebsbedingte Kündigungen sind grundsätzlich bis Ende 2027 ausgeschlossen, doch sollte der geplante Stellenabbau nicht wie erwartet verlaufen, behält sich das Unternehmen die Möglichkeit vor, Kündigungen auszusprechen. Nach den pandemiebedingten Verkaufshochs durch vermehrte Heimarbeit und Renovierungsprojekte, befindet sich Miele aktuell in einer herausfordernden Phase. Der Umsatz sank 2023 auf rund fünf Milliarden Euro, im Vergleich zu 5,4 Milliarden Euro im Jahr 2022. Weltweit beschäftigt Miele etwa 22.700 Mitarbeiter. Das Management wertet die schwächelnde Nachfrage nicht als temporären Rückgang, sondern als nachhaltige Veränderung der Marktbedingungen, weswegen nun strukturelle Anpassungen notwendig seien. Zu den größten Betroffenen des Stellenabbaus gehört die Zentrale in Gütersloh, wo bis zu 700 Stellen aus der Waschmaschinenproduktion nach Polen verlagert werden. Weitere 600 Stellen sollen deutschlandweit in verschiedenen Bereichen wie Vertrieb, Produktion und Verwaltung reduziert werden. Die Gewerkschaft Verdi zeigte sich nach den intensiven Verhandlungen gemischt optimistisch. Zwar sei es nicht gelungen, die grundsätzlichen Abbau- und Verlagerungspläne zu verhindern, jedoch wurden großzügige Abfindungen ausgehandelt, die vor allem unteren Entgeltgruppen zugutekommen sollen. Die Betriebsrätin Birgit Bäumker bewertete die geplanten Investitionen von 500 Millionen Euro als positives Signal für die deutschen Miele-Standorte. Rebecca Steinhage, die für Personal verantwortliche Geschäftsführerin von Miele, äußerte sich zuversichtlich, dass die Anpassungen ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden können. Die Vereinbarung bezeichnete sie als gutes Beispiel für gelebte Sozialpartnerschaft in schwierigen Zeiten. Der Tarifvertrag ist jedoch noch nicht rechtskräftig - die Verdi-Mitglieder werden in der kommenden Woche über das Verhandlungsergebnis abstimmen.