Ein Verkauf mit Signalwirkung
Die Nachricht kam am Montagabend und schlug am Dienstag sofort an der Börse durch: Nissans Aktie rauschte um fast sechs Prozent in die Tiefe.
Für Anleger ein klares Misstrauensvotum – nicht nur gegenüber dem Ausstieg der Stuttgarter, sondern vor allem gegenüber der Zukunft des japanischen Herstellers, der in den letzten Jahren von einer Krise in die nächste gerutscht ist. Mercedes begründet den Schritt kühl: Die Beteiligung habe keine strategische Bedeutung mehr.
Nissan in der Verlustzone
Die Skepsis kommt nicht von ungefähr. Im jüngsten Quartal verbuchte Nissan einen Verlust von 535 Millionen Dollar. Hauptgründe: sinkende Absätze in den USA und China, zunehmender Konkurrenzdruck durch Elektroauto-Hersteller – und wachsende Zölle, die die Margen belasten.
Damit bleibt der Konzern weit entfernt von dem Image des globalen Herausforderers, das er einst pflegte.
Umbau unter Espinosa
Seit April sitzt Ivan Espinosa auf dem Chefsessel und versucht, die Trendwende einzuleiten. Sein Umbauplan ist radikal: Weniger Werke, kleinere Produktionskapazitäten, ein schlankeres Modellportfolio.
Für Nissan bedeutet das schmerzhafte Einschnitte, aber auch die einzige Chance, wieder wettbewerbsfähig zu werden. Der Konzern setzt dabei auf eine stärker fokussierte E-Mobilitätsstrategie und Kooperationen mit Technologiepartnern.
Ein Déjà-vu
Ironischerweise ist die Trennung nicht neu: Bereits 2021 hatte Nissan selbst seine Beteiligung an Mercedes verkauft – aus finanzieller Not. Damals galt der Schritt als Befreiungsschlag, um Liquidität zu sichern.
Nun kehrt sich das Bild um: Mercedes steigt aus, um Ballast loszuwerden, und Nissan steht wieder als angeschlagener Partner da.
Markt ohne Geduld
Anleger reagieren zunehmend ungeduldig. Dass selbst ein Branchenriese wie Mercedes keinen Mehrwert mehr in der Partnerschaft sieht, verstärkt Zweifel an Nissans Sanierungskurs.
Während die Aktie taumelt, muss Espinosa liefern – schnell und überzeugend. Denn der Markt hat gezeigt, dass er auf leere Versprechen keine Rücksicht mehr nimmt.
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