18. Juli, 2024

Wirtschaft

Lufthansa darf bei Ita Airways einsteigen: EU-Kommission gibt grünes Licht

Lufthansa darf bei Ita Airways einsteigen: EU-Kommission gibt grünes Licht

Die Lufthansa darf beim italienischen Staatscarrier Ita Airways einsteigen, nachdem die EU-Kommission ihre Zustimmung erteilt hat. Vor dem endgültigen Vollzug des Einstiegs muss der deutsche Luftfahrtkonzern jedoch einige Auflagen erfüllen. Dazu gehört etwa die Abgabe von Start- und Landerechten in Mailand-Linate sowie die Förderung neuer Wettbewerber auf Mittel- und Langstrecken.

In einem ersten Schritt übernimmt die Lufthansa bis Jahresende für eine Kapitaleinlage von 325 Millionen Euro zunächst 41 Prozent der Ita-Anteile. Eine vollständige Übernahme der Alitalia-Nachfolgerin ist für die kommenden Jahre nicht ausgeschlossen. Lufthansa-CEO Carsten Spohr plant eine zügige Integration der Ita sowie den Ausbau des Drehkreuzes Rom in Richtung Afrika und Lateinamerika.

Die EU-Kommission wird die Einhaltung der Auflagen streng überwachen. Lufthansa und Ita müssen insbesondere 204 Slots pro Woche im Sommer und 192 im Winter abgeben. Zusätzlich müssen auf zehn Kurzstrecken Wettbewerber zum Zug kommen, darunter Easyjet. Ab Rom sollen Konkurrenten entweder bestehende Ita-Flüge nach Nordamerika übernehmen oder es müssen bessere Umsteigeverbindungen angeboten werden.

Die Verhandlungen über den Einstieg der Lufthansa bei Ita ziehen sich bereits seit mehr als einem Jahr hin. Die im Jahr 2020 aus Alitalia hervorgegangene Italia Trasporto Aereo beschäftigt aktuell knapp 4900 Mitarbeiter. Im Vergleich dazu zählt der Lufthansa-Konzern fast 99.000 Beschäftigte.

Die Lufthansa sichert sich mit diesem Schritt den Zugang zum lukrativen italienischen Markt, insbesondere wegen der engen Verbindungen in die USA. Viele Experten bezweifeln, dass Ita ohne starke Unterstützung eigenständig überlebensfähig wäre, da sie im Heimatmarkt von Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet verdrängt wurde.

Bedenken der EU-Kommission bezüglich einer möglichen Marktbeherrschung durch die Lufthansa wurden durch die vorgesehenen Auflagen berücksichtigt. Die strengen Wettbewerbsregeln sollen sicherstellen, dass Verbraucher durch den Deal keinen Nachteil erleiden.

Mit der Genehmigung aus Brüssel schreitet die Konzentration in der europäischen Luftfahrt weiter voran. Auch Lufthansa-Konkurrenten wie der IAG-Konzern um British Airways und Iberia sowie Air France-KLM planen Übernahmen kleinerer Gesellschaften. Dies sei nötig, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, so Spohr.

Die Ita hat ähnlich wie die 2007 von Lufthansa übernommene Swiss bereits harte Sparmaßnahmen bei Flotte und Personal hinter sich. Experten bei Lufthansa erwarten, dass Ita durch gemeinsame Einkaufsaktivitäten und eine bessere Planung schnell Gewinne erzielen kann. Der Businessplan sieht für 2027 bereits einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro vor.

Lufthansa wird zunächst 325 Millionen Euro als erste Rate für 41 Prozent der Anteile an der Airline einbringen. Der italienische Staat bleibt vorerst an Bord, doch Lufthansa hat die Option, ab 2025 weitere Anteile zu erwerben, um irgendwann alleiniger Eigentümer zu werden. Aktuell ist Lufthansa-Strategiechef Jörg Eberhart als möglicher neuer Ita-Chef im Gespräch.