25. Februar, 2024

Wirtschaft

Luftfahrt hebt ab: Unerwarteter Aufschwung in Deutschlands Industrie

Dank einer Flut von Flugzeugbestellungen erlebt die deutsche Industrie im Dezember einen Auftragsboom – ein Lichtblick inmitten wirtschaftlicher Sorgen.

Luftfahrt hebt ab: Unerwarteter Aufschwung in Deutschlands Industrie
Aufschwung oder Ablenkungsmanöver? Die verborgene Krise hinter Deutschlands Flugzeugboom.

In einem Monat, der sonst eher düstere Prognosen für die deutsche Industrie vorhersah, kam der Dezember mit einer unerwarteten Wende: Ein Auftragsplus von 8,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, angetrieben hauptsächlich durch eine außergewöhnlich hohe Zahl an Flugzeugbestellungen.

Während Experten mit stagnierenden oder gar rückläufigen Zahlen gerechnet hatten, zeigt der stärkste Anstieg seit Juni 2020, dass noch Auftrieb in der Wirtschaft steckt.

Die verborgene Krise hinter Deutschlands Flugzeugboom

Die Zahl spricht Bände: Ohne die signifikanten Bestellungen im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus, die sich auf beeindruckende 110,9 Prozent belaufen, wäre das Gesamtergebnis um 2,2 Prozent gefallen. Diese Großaufträge sind es, die den sonst schwankenden Wirtschaftszahlen Stabilität und ein positives Vorzeichen verleihen.

Vom Autobauer zum Flugzeugträger: Schwindende Stärke in Deutschlands Kernindustrien.

Doch während einige Branchen wie die Pharmaindustrie und metallerzeugende Betriebe ebenfalls Zuwächse verbuchen konnten, zeigt der Einbruch im Automobilsektor um fast 15 Prozent, dass die Probleme der deutschen Industrie noch lange nicht überwunden sind.

Illusion eines Industrieaufschwungs: Warum Deutschlands Auftragsplus trügt

Trotz des Aufschwungs warnen Ökonomen vor voreiligem Optimismus. Der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger, betont die „unterliegende Schwäche der Industrie“, die durch die Großaufträge nur oberflächlich kaschiert wird.

„Die Produktion wird dank Großaufträgen über Wasser gehalten“, sagte der Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, „Dass ohne Großaufträge nicht viel los ist, unterstreicht die unterliegende Schwäche der Industrie.“

Die Tatsache, dass die positive Entwicklung hauptsächlich auf außerordentlichen Bestellungen beruht, lässt tiefgreifende Probleme ungelöst.

Ein schwieriger Start ins neue Jahr

Die vorläufige Bilanz für das vierte Quartal 2023 und das Gesamtjahr zeichnet ein Bild der Ambivalenz: Trotz des Dezember-Hochs blieb der gesamte Auftragseingang im Quartalsvergleich nahezu unverändert und fiel im Jahresvergleich sogar um 5,9 Prozent.

Zwischen Himmelshoch jauchzend und zu Tode betrübt: Die Zerrissenheit der deutschen Wirtschaftslage.

Dies deutet darauf hin, dass die deutsche Industrie weiterhin mit globalen Herausforderungen wie einer schwachen Weltkonjunktur und hohen Zinsen zu kämpfen hat.

Zwischen Hoffnung und Realität

Während die Flugzeugbestellungen einen kurzfristigen Aufschwung signalisieren, bleibt die langfristige Perspektive für die deutsche Industrie ungewiss. Der anhaltende Auftragsmangel, von dem 36,9 Prozent der Industriefirmen im Januar berichteten, unterstreicht die Schwierigkeiten, denen sich die Wirtschaft gegenübersieht.

Die deutsche Industrie steht somit am Scheideweg: Kann sie den Schwung nutzen, um eine dauerhafte Erholung einzuleiten, oder sind die aktuellen Zahlen nur ein Strohfeuer in einer ansonsten trüben Wirtschaftslage?