14. Januar, 2026

Quartalszahlen

Lindt dreht 2025 brutal an der Preisschraube und wächst trotzdem zweistellig

Der Schweizer Schokoladenhersteller wächst zweistellig, obwohl er fast ein Fünftel auf die Preise aufschlägt. Das Geschäftsmodell hält – und wird teurer.

Lindt dreht 2025 brutal an der Preisschraube und wächst trotzdem zweistellig

Der entscheidende Hebel lag nicht im Regal, sondern auf dem Preisschild. Lindt & Sprüngli hat 2025 so deutlich an der Preisschraube gedreht wie kaum ein Markenartikler zuvor – und ist damit durchgekommen.

Der Umsatz stieg um 12,4 Prozent auf 5,92 Milliarden Franken. Möglich wurde das trotz rückläufiger Absatzmengen, weil Lindt seine Verkaufspreise im Schnitt um 19 Prozent anhob. Der Auslöser: explodierende Kakaokosten. Der Effekt: Wachstum aus der Defensive.

Preissetzungsmacht ersetzt Volumen

Was bei vielen Konsumgüterherstellern schiefgeht, funktioniert bei Lindt bislang erstaunlich stabil. Höhere Preise haben zwar Mengen gekostet, aber deutlich weniger Umsatz. Der Konzern konnte die steigenden Rohstoffkosten nicht nur weiterreichen, sondern den Wert je verkauftem Produkt spürbar erhöhen.

Das ist kein Zufall. Lindt positioniert sich seit Jahren konsequent im Premiumsegment. Schokolade ist hier kein Alltagsartikel, sondern ein kleines Luxusgut. Wer zugreift, achtet weniger auf den Kilopreis als auf Marke, Qualität und Anlass. Genau dieser Mechanismus greift in Zeiten hoher Inflation – paradoxerweise zugunsten der Hochpreisanbieter.

Kakao verteuert die Branche strukturell

Der Preisdruck kommt nicht aus dem operativen Geschäft, sondern vom Rohstoffmarkt. Kakao hat sich innerhalb kurzer Zeit massiv verteuert, getrieben von Ernteausfällen in Westafrika, klimatischen Risiken und strukturellen Angebotsproblemen. Für Schokoladenhersteller ist das kein temporärer Schock, sondern ein strategisches Thema.

Lindt reagiert darauf nicht mit Rabatten oder Schrumpfpackungen, sondern mit klaren Preisanhebungen. Das signalisiert Selbstbewusstsein – und testet die Loyalität der Kunden. Bislang hält sie. Der Konzern spricht offen davon, dass höhere Preise geringere Volumina „mehr als ausgeglichen“ hätten.

Premiumtrend stabilisiert die Nachfrage

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Die globale Wirtschaftslage bleibt unsicher, Konsumenten gelten als vorsichtig, insbesondere bei nicht notwendigen Ausgaben. Lindt profitiert dennoch von einem gegenläufigen Trend: Wer sich etwas gönnt, greift gezielt zu höherwertigen Produkten.

Schokolade gehört dabei zu den klassischen „kleinen Belohnungen“. Der Preis spielt eine untergeordnete Rolle, solange Qualität und Marke stimmen. Für Lindt ist das ein struktureller Vorteil gegenüber Massenanbietern, die stärker über den Preis konkurrieren müssen.

Produktinnovation schafft Gesprächswert

Zum Wachstum trug auch die weltweite Einführung der „Lindt Dubai Style Schokolade“ bei. Solche Produkte sind weniger Umsatztreiber als Markeninstrumente. Sie erzeugen Aufmerksamkeit, Differenzierung und Gesprächswert – besonders in sozialen Medien und im Geschenkesegment.

Lindt nutzt diese Mechanik gezielt. Innovationen dienen nicht primär dazu, Volumen zu schaffen, sondern um das Premiumversprechen immer wieder neu aufzuladen. In einem Umfeld steigender Preise ist das entscheidend: Kunden akzeptieren höhere Preise eher, wenn sie das Gefühl haben, etwas Besonderes zu kaufen.

Marge bleibt unter Kontrolle

Trotz der massiven Kostensteigerungen zeigt sich auch die Ertragsseite stabil. Für 2025 stellt der Vorstand eine Verbesserung der operativen Umsatzrendite um 20 bis 40 Basispunkte in Aussicht. Nach 16,2 Prozent im Vorjahr würde Lindt damit zumindest leicht zulegen.

Das ist kein Margensprung, aber ein wichtiges Signal. Viele Hersteller kämpfen derzeit darum, Margenverluste überhaupt zu stoppen. Lindt schafft es, Preiserhöhungen nicht nur zur Kostenkompensation zu nutzen, sondern einen Teil davon in der Profitabilität zu sichern.

Der Markt akzeptiert die Strategie – noch

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Lindt Preise erhöhen kann, sondern wie lange. 19 Prozent in einem Jahr sind eine Ansage. Bislang tragen die Kunden sie mit. Doch die Elastizität der Nachfrage ist kein Naturgesetz.

Sollten die Kakaopreise weiter steigen oder die Konjunktur deutlicher einbrechen, wird die Grenze getestet. Dann zeigt sich, ob das Premiumversprechen auch unter Stress hält – oder ob selbst treue Käufer irgendwann ausweichen.

Luxus im Kleinen bleibt gefragt

Im Moment spricht vieles für Lindt. Der Konzern verkauft kein Grundnahrungsmittel, sondern ein emotionales Produkt. In unsicheren Zeiten sparen Verbraucher an großen Anschaffungen – nicht unbedingt an kleinen Freuden.

Genau darauf baut das Geschäftsmodell. Lindt verkauft weniger Tafeln, verdient aber mehr an jeder einzelnen. Solange Schokolade als erschwinglicher Luxus wahrgenommen wird, bleibt diese Rechnung intakt.