Trotz eines eigentlich soliden Quartalsergebnisses am 4. Februar 2026 straften die Investoren den britischen Chip-Architekten Arm gnadenlos ab. Der Grund für den plötzlichen Vertrauensentzug liegt in den Lizenzeinnahmen – dem Frühindikator für zukünftige Chip-Generationen –, die mit 505 Millionen Dollar deutlich hinter den erhofften 520 Millionen Dollar zurückblieben.
Lizenz-Lücke schockt die Wall Street: Wo bleibt die KI-Vorauszahlung?
Arm hat in den letzten Monaten massiven Druck auf seine Kunden ausgeübt, auf die neueste Architektur-Generation umzusteigen. Diese bringt zwar pro Chip höhere Gebühren, erfordert aber auch teure Vorauszahlungen für den Zugriff auf die Technologie. Dass diese Zahlungen nun unter den Erwartungen liegen, werten Analysten als Warnsignal:
- Zögerliche Kunden: Große Player könnten den Umstieg auf die teuersten Entwürfe langsamer vollziehen als von Arm geplant.
- Marktsättigung: Trotz des KI-Hypes scheint der Hunger auf neue Design-Lizenzen eine vorübergehende Sättigung erreicht zu haben.
- Bewertungsdruck: Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das weit über dem Branchendurchschnitt liegt, verzeiht der Markt nicht den kleinsten Patzer bei den Wachstumskennzahlen.
Umsatzbeteiligungen als Rettungsanker: Apple und Nvidia treiben Gebühren
Während die Lizenzen enttäuschten, retteten die laufenden Umsatzbeteiligungen (Royalties) das Quartalsergebnis. Dank der Integration von Arm-Designs in Apples neueste iPhone-Prozessoren und Nvidias KI-Superchips kletterten diese Erlöse kräftig nach oben. Arm profitiert hier von der schieren Masse der verkauften Endgeräte, was den Gesamtumsatz über die Markterwartungen hievte.
Dennoch bleibt die Skepsis. Da Arm selbst keine Chips produziert, sondern nur die "Baupläne" liefert, sind die Lizenzeinnahmen das Lebenselixier für künftige Gewinne. Ein Einbruch in diesem Segment deutet darauf hin, dass das Wachstum im Jahr 2026 weniger explosiv ausfallen könnte als bisher eingepreist.

Ausblick 2026: Ein Schuss Optimismus gegen den Abverkauf
Konzernchef Rene Haas versuchte die Wogen zu glätten und hob den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr sogar leicht an. Er setzt darauf, dass die steigende Nachfrage nach KI-Rechenzentren die Lücke bei den Smartphone-Lizenzen mittelfristig mehr als kompensieren wird. Arm positioniert sich als das unverzichtbare Fundament für energieeffiziente KI-Berechnungen – eine Story, die an der Börse bisher perfekt funktionierte.
Nachbörslich rutschte die Aktie dennoch um acht Prozent ab. Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob der Dip eine Kaufgelegenheit ist oder ob die KI-Blase bei den Chip-Designern erste Risse bekommt. Am Donnerstag wird der offizielle Handelsstart an der NASDAQ zeigen, ob die Institutionellen das Vertrauen in die KI-Wette von Arm behalten oder ob der Ausverkauf sich ausweitet.


