05. Februar, 2026

Quartalszahlen

Kurs-Kollaps trotz Zahlen-Gala: ServiceNows 12-Milliarden-KI-Plan löst Beben aus

ServiceNow übertrifft mit 3,57 Mrd. Dollar Umsatz alle Erwartungen, doch die Aktie stürzt um 24 % ab. Trotz neuer Allianzen mit OpenAI und Anthropic sowie Zukäufen für 12 Mrd. Dollar flüchten Anleger panisch. Der KI-Hype wird für den Software-Riesen zur existenziellen Zerreißprobe an der Börse.

Kurs-Kollaps trotz Zahlen-Gala: ServiceNows 12-Milliarden-KI-Plan löst Beben aus
Sektor-Krise frisst ServiceNow-Gewinne: Trotz 21 % Wachstum leidet der SaaS-Riese unter dem KI-Sell-off. Hilft das Rückkaufprogramm?

In der Teppichetage von ServiceNow in Santa Clara dürften die Sektkorken nur kurz geknallt haben. Das Unternehmen hat am 28. Januar 2026 ein Zahlenwerk präsentiert, das eigentlich jeden Analysten zum Jubeln bringen müsste: Der Umsatz kletterte auf 3,57 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn pro Aktie schlug die Erwartungen deutlich.

Doch die Börse reagiert mit eiskalter Verachtung. Es ist ein brutales Misstrauensvotum des Marktes, das nicht dem Unternehmen selbst, sondern einer ganzen Branche gilt, die sich vor der eigenen KI-Revolution fürchtet. Während die operativen Kennzahlen glänzen, verbrennt der Marktwert in Rekordtempo.

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Die Kapitulation der SaaS-Giganten vor der KI-Angst

Der gesamte Software-Sektor steht unter massivem Beschuss. Investoren flüchten panisch aus traditionellen Software-as-a-Service-Werten. Die große Angst: Künstliche Intelligenz könnte die Geschäftsmodelle von Giganten wie ServiceNow nicht ergänzen, sondern schlichtweg ersetzen.

ServiceNow versucht verzweifelt, dieses Narrativ zu brechen. CEO Bill McDermott positioniert sein Haus als zentralen Kontrollturm für globale Konzerne. Mit dem Now-Assist-Portfolio hat das Unternehmen bereits einen jährlichen Vertragswert von 600 Millionen Dollar erreicht. Das Ziel bis Ende 2026 ist die magische Milliarden-Marke. Doch der Markt sieht bisher nur die Gefahr schmelzender Margen durch teure GPU-Infrastruktur.

Rekordminus bei Meyer Werft: Bilanz des Management-Versagens
Ein Rekordverlust von fast 600 Millionen Euro zerstört das Narrativ vom unverschuldet in Not geratenen Traditionsbetrieb Meyer Werft. Während Bernard Meyer von Enteignung spricht, belegen interne Zahlen eine jahrelange wirtschaftliche Schlamperei.

Nvidias neue Lieblinge: Anthropic und OpenAI als Rettungsanker

Um die technologische Vorherrschaft zu sichern, geht ServiceNow Allianzen ein, die vor kurzem noch undenkbar schienen. In einem beispiellosen Tempo wurden Partnerschaften mit den KI-Schwergewichten Anthropic und OpenAI festgezurrt.

Besonders brisant: Claude, das Spitzenmodell von Anthropic, wird zum Standard für den Build-Agent von ServiceNow. Gleichzeitig implementiert das Unternehmen die Technologie intern bei über 29.000 Mitarbeitern, um die eigene Softwareentwicklung massiv zu beschleunigen. Es ist eine Flucht nach vorn: Wer die KI nicht schlagen kann, muss sie so tief ins eigene Rückgrat einbetten, dass kein Kunde mehr an der Plattform vorbeikommt.

Der 12-Milliarden-Dollar-Beutezug gegen die Bedeutungslosigkeit

Geld scheint in dieser Abwehrschlacht keine Rolle zu spielen. In den letzten Monaten hat ServiceNow eine Serie von Zukäufen abgeschlossen, die Beobachter fassungslos machen. Allein für den Cybersecurity-Spezialisten Armis wurden 7,75 Milliarden Dollar in bar auf den Tisch gelegt – der größte Deal der Firmengeschichte.

Zusammen mit den Übernahmen von Moveworks und Veza hat das Unternehmen über 12 Milliarden Dollar investiert, um seine Plattform zur ultimativen KI-Festung auszubauen. Das Problem: Während das Management von Synergien schwärmt, fürchten Anleger die Integrationsrisiken und den massiven Cash-Abfluss. Der Markt bestraft ServiceNow für seinen Hunger nach Größe mit einem drastischen Bewertungsabschlag.

Der 5-Milliarden-Bluff: Kaufen Rückkäufe das Vertrauen zurück?

In einem fast schon verzweifelten Versuch, den Aktienkurs zu stützen, hat der Verwaltungsrat das Aktienrückkaufprogramm massiv ausgeweitet. Allein für 2026 wurden zusätzliche 5 Milliarden Dollar genehmigt. Doch selbst dieses finanzielle Feuerwerk verpuffte wirkungslos.

Anleger fragen sich: Wenn das Geschäft mit KI-Workflows so lukrativ ist, warum investiert das Unternehmen das Geld nicht in weiteres organisches Wachstum, statt es zur Kurskosmetik zu verwenden? Die Botschaft wirkt auf viele wie ein Eingeständnis der Ratlosigkeit gegenüber dem Sektor-Abverkauf. ServiceNow liefert zwar Zahlen wie ein Champion, wird aber an der Börse wie ein Auslaufmodell gehandelt.

Der Kampf um das Überleben im KI-Zeitalter hat gerade erst begonnen – und ServiceNow geht dafür ohne Rücksicht auf Verluste All-In.

Strategischer Einstieg: Bund sichert sich Sperrminorität bei Tennet Germany
Die Bundesregierung vollzieht einen industriepolitisch bedeutsamen Schritt: Der Bund übernimmt 25,1 Prozent am Übertragungsstromnetzbetreiber Tennet Germany. Damit steigt der deutsche Staat bei einem zentralen Akteur der Energiewende ein – und setzt ein Signal in Richtung Versorgungssicherheit, Kapitalmarktstabilität und geopolitischer Resilienz.