29. Februar, 2024

Politik

Kreml sieht Putins Interview mit US-Moderator Tucker Carlson als vollen Erfolg

Kreml sieht Putins Interview mit US-Moderator Tucker Carlson als vollen Erfolg

Der Kreml hat das jüngste Interview, das US-Talkmaster Tucker Carlson mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin führte, als positiv hervorgehoben. Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte die Bedeutung der Resonanz in Russland und erklärte, dass es von großem Interesse sei, Einblicke in Putins Weltanschauung und seine Ansichten zur gegenwärtigen politischen Lage zu gewinnen. Putin nahm ausgiebig die Gelegenheit wahr, seine Positionen darzulegen – ein Novum seit dem Beginn des Konflikts mit der Ukraine.

Im Verlauf des umfangreichen Interviews äußerte Putin, dass eine russische Invasion in die NATO-Staaten Polen und Lettland "absolut ausgeschlossen" sei, unter der einzigen Bedingung, dass diese Länder keinen Angriff auf Russland initiierten. Diese Aussage steht im Kontrast zu den Zusicherungen des Kreml vor dem Ukraine-Krieg, als ein Angriff kategorisch ausgeschlossen wurde. Putin konzedierte jedoch, dass die militärischen Ziele in der Ukraine, beinahe zwei Jahre nach Kriegsbeginn, noch nicht vollständig erreicht seien und legte den Schwerpunkt auf das Thema "Entnazifizierung".

Weiterhin signalisierte der russische Staatschef seine Bereitschaft zum Dialog, indem er betonte, dass ein militärischer Sieg des Westens im aktuellen Konflikt nicht möglich sei und eine Einigung früher oder später unausweichlich sei. Diese Position ist allerdings nicht neu: Der Kreml strebt an, nicht mit der Ukraine, sondern direkt mit dem Westen zu verhandeln.

Carlson, bekannt für die Verbreitung von Falschmeldungen und Verschwörungstheorien bei Fox News, hinterfragte keine der langatmigen Erklärungen Putins und ließ diverse Anschuldigungen, unter anderem gegen die NATO und die USA, unkommentiert. Kritische Themen wie zivile Opfer in der Ukraine oder interne Repressionen wurden im Interview ausgeklammert. Einzig der in Russland inhaftierte US-Journalist Evan Gershkovich wurde erwähnt, wobei Putin eine mögliche Gefangenenfreilassung andeutete.

Das Interview, das auf russischen und kremlnahen Medien als Triumph gefeiert wird und außerordentliche Aufrufzahlen erreichte, wurde von politischen Beobachtern als strategisches Element im Vorfeld der russischen Präsidentschaftswahlen gedeutet. Es soll demnach auch dazu dienen, von der jüngsten Ablehnung der Kandidatur des Kriegsgegners Boris Nadeschdin abzulenken.