17. Juli, 2024

Politik

Israelische Proteste für Geiselabkommen erreichen neuen Höhepunkt

Israelische Proteste für Geiselabkommen erreichen neuen Höhepunkt

In Israel fordern erneut Tausende Menschen mit landesweiten Protesten von der Regierung ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln im umkämpften Gazastreifen. Neun Monate nach dem verheerenden Angriff der Hamas, bei dem 1200 Menschen ums Leben kamen und 250 verschleppt wurden, haben Demonstranten einen 'Tag der Störung' ausgerufen. Straßen und Kreuzungen im ganzen Land wurden blockiert, und ein Massenprotest vor dem Militärhauptquartier in Tel Aviv bildet den Höhepunkt der Aktionen.

Die Hamas und andere Terrorgruppen hatten im Oktober letzten Jahres den Süden Israels angegriffen. Berichte über Fortschritte in den von Katar, Ägypten und den USA vermittelten Verhandlungen zum Geiselaustausch und einer Waffenruhe haben die jüngsten Proteste unterstützt. Bereits am Abend zuvor hatten Zehntausende Menschen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu aufgefordert, die Verhandlungen voranzutreiben. Die Gespräche sollen kommende Woche fortgesetzt werden.

Jehuda Cohen, dessen Sohn sich weiterhin in der Gewalt der Entführer befindet, beschuldigt die Regierung, ein Abkommen vereiteln zu wollen. Netanjahu, der mit ultra-religiösen und rechtsextremen Koalitionspartnern regiert, benötigt deren Unterstützung für sein politisches Überleben. Diese Koalitionspartner lehnen jedoch Zugeständnisse an die Hamas strikt ab. Daher fordern viele der Demonstranten auch Neuwahlen.

Zum Auftakt der Proteste ließen Aktivisten nahe der Grenze zum Gazastreifen schwarze und gelbe Luftballons steigen, um an das Schicksal der Geiseln zu erinnern. Gelb symbolisiert dabei ihre Hoffnung auf eine baldige Freilassung. Nach israelischen Schätzungen sind noch rund 120 Geiseln in der Gewalt der Entführer.

Die Verhandlungen zielen auf einen Stufenplan ab, der zunächst eine befristete Waffenruhe und den Austausch von weiblichen, älteren und kranken Geiseln gegen palästinensische Häftlinge umfasst. Während der Waffenruhe soll über die endgültige Beendigung des Konflikts und die Freilassung der restlichen Geiseln verhandelt werden. Medienberichten zufolge könnten die Verhandlungen fortgesetzt werden, wenn innerhalb einer bestimmten Frist keine Einigung erzielt wird.

Wegen des ungewissen Verlaufs des Krieges und der Zukunft des Gazastreifens setzen viele Palästinenser ihre Hoffnung auf Marwan Barguti, einen in Israel inhaftierten Politiker der Fatah. Barguti genießt breite Unterstützung sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland. Die USA möchten die Autonomiebehörde umstrukturieren und deren Einfluss auch im Gazastreifen ausweiten, was Netanjahu jedoch ablehnt.

Insgesamt zeigen die Proteste und die internationalen Vermittlungsversuche, wie kompliziert die Lage im Nahen Osten ist. Eine Lösung scheint trotz der intensiven Bemühungen und Hoffnungen der Bevölkerung weiterhin in weiter Ferne, auch wenn Figuren wie Barguti von manchen als mögliche Schlüsselpersonen für den Frieden angesehen werden.