12. Juli, 2024

Märkte

Investorensentiment erholt sich nach Parlamentswahl in Frankreich

Investorensentiment erholt sich nach Parlamentswahl in Frankreich

Die Anleger zeigten sich nach dem unerwartet schwachen Abschneiden des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) bei den französischen Parlamentswahlen wieder optimistischer. Allerdings blieb die Kauflaune am deutschen Aktienmarkt gedämpft. Der Ausgang der Wahlen deutet auf eine komplizierte Regierungsbildung hin. Daneben stehen in den kommenden Tagen wichtige Ereignisse an, die ebenfalls die Märkte beeinflussen könnten.

Der deutsche Leitindex Dax konnte seine anfängliche Schwäche überwinden und erreichte zeitweise 18.631 Punkte. Bis zum Mittag verbuchte der Dax mit 18.576,50 Punkten ein Plus von 0,55 Prozent. Im Gegensatz dazu sank der MDax der mittelgroßen Unternehmen um 0,20 Prozent auf 25.677,19 Punkte. Die Verluste der Aktien von Delivery Hero und K+S belasteten hier den Index. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg hingegen um knapp 0,7 Prozent.

In Frankreich blieb der Rassemblement National mit deutlichem Abstand hinter einer absoluten Mehrheit zurück. Die Partei von Marine Le Pen, die im ersten Wahlgang vorne gelegen hatte, landete hinter dem siegreichen neuen Linksbündnis und dem Mitte-Lager von Präsident Emmanuel Macron auf dem dritten Platz. Für keines der politischen Lager zeichnet sich jedoch eine klare Mehrheit ab, was das Land in eine "politisch verfahrene Situation" bringt, so Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Eine Regierung unter dem linken Anführer Jean-Luc Mélenchon könnte laut Gitzel zu einer Belastung für die EU werden. Mélenchons ablehnende Haltung gegenüber dem Stabilitäts- und Wachstumspakt könnte das bereits hohe Staatsdefizit weiter vergrößern und Frankreich zu einem destabilisierenden Faktor werden lassen.

Im weiteren Wochenverlauf werden die Anleger zudem die Anhörung von US-Notenbankchef Jerome Powell sowie neue Preisdaten aus den USA beobachten, wie Jim Reid von der Deutschen Bank anmerkte. Am Freitag beginnt die amerikanische Berichtssaison mit den Quartalszahlen der Banken JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo.

Unter den Einzelwerten fiel am Montag besonders Delivery Hero mit einem Kursrutsch von 4,8 Prozent auf 20,01 Euro auf. Ängste über angebliche Verstöße gegen das EU-Kartellrecht, die den Essenslieferdienst laut eigenen Angaben über 400 Millionen Euro kosten könnten, belasteten die Aktie. Jefferies-Analyst Giles Thorne wies darauf hin, dass Delivery Hero über genügend Barmittel verfüge und die Rückstellungen erhöhen wolle.

Gefragt waren hingegen Rüstungstitel. Der Dax-Spitzenreiter Rheinmetall konnte ein Plus von 3,1 Prozent verbuchen. Auch die Aktien von Hensoldt und Renk waren gefragt, da die Diskussion um höhere Verteidigungsbudgets weiter an Fahrt aufnimmt. Ein Medienbericht über eine mögliche Aufstockung der Nato-Truppen verstärkte diesen Trend.

Analystenkommentare sorgten ebenfalls für Bewegung. Die Aktie von K+S fiel um 6,1 Prozent auf 11,76 Euro, nachdem die Bank of America ihre Kaufempfehlung gestrichen und das Kursziel deutlich gesenkt hatte. Analyst Alexander Jones erwartet eine schwache Dynamik der Düngerpreise, was die Barmittelgenerierung des Unternehmens belasten dürfte.

Nemetschek verzeichnete einen Rückgang um 1,2 Prozent, nachdem Bryan Garnier die Aktie von "Buy" auf "Neutral" herabgestuft hatte. Analyst Aurélian Deside lobte zwar das Wachstum und die Profitabilität des Bausoftware-Anbieters, aber die hohen Markterwartungen ließen keinen Spielraum für positive Überraschungen.