Die paradoxe Reaktion der Wall Street auf solide Quartalszahlen zeigt Nervosität
Auf den ersten Blick lieferte Intel Zahlen, die jeden Analysten hätten beruhigen müssen. Der Überschuss kletterte im abgelaufenen Vierteljahr um beachtliche 15 Prozent, trotz eines leichten Umsatzrückgangs von vier Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar.
Besonders beeindruckend war der Gewinn pro Aktie: Mit 0,15 Dollar übertraf der Konzern die Markterwartungen fast um das Doppelte. Dennoch reagierte der Markt gnadenlos – die Aktie sackte im nachbörslichen Handel um fünf Prozent ab. Diese Divergenz zwischen fundamentalen Kennzahlen und Marktreaktion deutet auf tieferliegende strukturelle Ängste hin.

Lieferengpässe bei Rohstoffen erzwingen einen historischen Tiefstand der Lagerbestände
Der Auslöser für den Abverkauf ist nicht die Vergangenheit, sondern die unmittelbare Zukunft. Intel-Chef David Zinsner schockierte Investoren mit der Prognose, dass die Vorräte im ersten Quartal auf ihren niedrigsten Stand fallen werden. Ursächlich hierfür sind massive Lieferengpässe bei essenziellen Rohstoffen.
Die Guidance für das laufende Quartal fällt entsprechend konservativ aus: Zinsner stellt lediglich einen Umsatzkorridor von 11,7 bis 12,7 Milliarden Dollar in Aussicht. Das bereinigte Ergebnis wird sich voraussichtlich nur an der Gewinnschwelle bewegen – ein klares Warnsignal für margin-fokussierte Investoren.
Der KI-Superzyklus stützt die Nachfrage nach Server-Infrastruktur nachhaltig
Trotz der supply-side Constraints bleibt die Nachfrageseite extrem robust. Der weltweite Bauboom bei Rechenzentren, getrieben durch den Siegeszug der Künstlichen Intelligenz (KI), generiert einen stetigen Bedarf an Hardware.
Interessanterweise profitiert Intel hierbei nicht nur von KI-Spezialprozessoren. Auch klassische Serverchips erleben eine Renaissance, da sie das Rückgrat der neuen Data-Center-Architekturen bilden. Diese starke Nachfrage ist der entscheidende Faktor, der den Konzern vor einem noch drastischeren Absturz bewahrt.


