24. Juli, 2024

Wirtschaft

Inflationsrückgang: Preisdruck nimmt ab, EZB erhält Spielraum

Inflationsrückgang: Preisdruck nimmt ab, EZB erhält Spielraum

Stabile Preise für Energie und Nahrungsmittel haben im Juni die Inflation in Deutschland weiter gedämpft. Laut dem Statistischen Bundesamt lagen die Verbraucherpreise im Juni um 2,2 Prozent über dem Vorjahresniveau, nachdem sie im Mai noch um 2,4 Prozent gestiegen waren. Die Präsidentin von Destatis, Ruth Brand, merkt an, dass insbesondere bei Dienstleistungen weiterhin überdurchschnittliche Preiserhöhungen zu beobachten sind.

Die sogenannte Kerninflation, welche Energie und Nahrungsmittel ausschließt, liegt aktuell bei 2,9 Prozent und fällt damit erstmals seit Februar 2022 wieder unter die Drei-Prozent-Marke. Im Vergleich zum Vormonat Mai erhöhten sich die Preise im Juni insgesamt um 0,1 Prozent. Eine auffällige Entwicklung zeigt sich bei den Preisen für Dienstleistungen, die um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen sind. Besonders stark betroffen sind Versicherungen (+12,3 Prozent), Gastronomie (+6,8 Prozent) und Autowerkstätten (+6,2 Prozent). Auch die Netto-Kaltmieten zogen um 2,2 Prozent an.

Die gesunkenen Inflationsraten in Deutschland und im Euroraum ermöglichen der Europäischen Zentralbank (EZB) zusätzliche Handlungsspielräume für mögliche Leitzinssenkungen. Im Juni senkte die EZB erstmals seit der Inflationswelle im Währungsraum die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte, um die angestrebte Preisstabilität rund um zwei Prozent zu gewährleisten.

Ökonomen prognostizieren, dass sich der Trend zu stabilen Preisen im Sommer fortsetzen wird und erwarten bald Inflationsraten unter zwei Prozent. Während Dienstleistungen sich im Juni deutlich verteuerten, sank der Preis für Energie innerhalb eines Jahres um 2,1 Prozent. Bei Nahrungsmitteln verzeichnete man nach kräftigen Preisanstiegen nur noch moderate Zuwächse von 1,1 Prozent. Langfristig betrachtet, sind Energie und Nahrungsmittel jedoch weiterhin deutlich teurer als der gesamte Warenkorb. Energie hat sich seit 2020 um mehr als 47 Prozent verteuert, Nahrungsmittel um 33 Prozent, während der gesamte Verbraucherpreisindex um 19,4 Prozent gestiegen ist.