25. Februar, 2024

Wirtschaft

Infineon senkt Umsatzprognose und Investitionsbudgets in schwierigem Halbleitermarkt

Infineon senkt Umsatzprognose und Investitionsbudgets in schwierigem Halbleitermarkt

Im Sog eines herausfordernden Halbleitersektors passt Infineon Technologies seine finanziellen Erwartungen an und signalisiert Vorsicht für das laufende Geschäftsjahr. Der DAX-Konzern kämpft mit prall gefüllten Lagerbeständen bei den Kunden, die zunächst ihre Vorräte reduzieren, und einer besonders im Nicht-Automobilsektor nachlassenden Nachfrage. Zusätzlich bereitet ein schwächelnder US-Dollar Kopfzerbrechen, der die Bilanz maßgeblich beeinträchtigt.

Jochen Hanebeck, CEO des Unternehmens, bezeichnet das Jahr 2023/24 als ein "Übergangsjahr" mit einer "schwierigen Großwetterlage". Diese Einschätzung folgt einer Reihe ähnlich pessimistischer Kommentare seitens der Wettbewerber. Infineons Aktienkurs, der im Tagesverlauf um 3,5 Prozent absackte, spiegelt die Enttäuschungen über den Quartalsbericht und die Prognosen wider, was Analyst Sandeep Deshpande von JPMorgan in seiner Beurteilung festhält.

Der Helligkeitsschimmer der Situation ist, dass die zurückgenommenen Erwartungen lediglich das Nicht-Autogeschäft betreffen – eine Beobachtung, die Janardan Menon von Jefferies bestätigt und die sich mit den Marktberichten anderer Konzerne deckt. Jedoch steht diese Partialentspannung unter kritischer Beurteilung. Beobachter wie Deshpande bleiben skeptisch und merken an, das eine Korrektur der Prognosen für den Automobilbereich "immer unwahrscheinlich" erschien, der Glaube am Markt jedoch anhält, dass auch dieser Sektor bald Schwäche zeigen könnte.

Die Neuburger geben für das Geschäftsjahr nun einen erwarteten Umsatz von circa 16 Milliarden Euro an, mit einer potenziellen Abweichung von plus oder minus 500 Millionen Euro, was ein Rückgang von rund zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeuten würde. Frühere Prognosen lagen eine Milliarde Euro höher. Währungsbedingt nehmen sie dabei für den Euro-Dollar-Wechselkurs einen Wert von 1,10 an, nachdem sie zuvor von 1,05 US-Dollar je Euro ausgegangen waren.

Die anvisierte Segmentergebnis-Marge, als Indikator für das operative Ergebnis, ist nun im niedrigen bis mittleren 20-Prozent-Bereich angesiedelt, verglichen mit vorher erwarteten 24 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr wurde noch eine Marge von 27 Prozent verzeichnet. Die frischen Prognosen verfehlen damit die Analystenerwartungen.

Für das zweite Geschäftsquartal erwartet Infineon eine weitere Abschwächung mit einem Umsatz von voraussichtlich 3,6 Milliarden Euro und einer Segmentergebnis-Marge von 18 Prozent, was ebenfalls unterhalb der Markterwartungen liegt. Die Prognosen deuten auf eine spürbare nacheilende Erholung im Verbraucher-, Kommunikations-, Computing- und IoT-Segment hin, erwartungsgemäß frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres. Das Automobilsegment soll indes weiter wachsen, trotz leicht gedämpfter Nachfrageprognosen außerhalb Chinas im Elektromobilitätsbereich.

Die reduzierten Umsatzerwartungen und eine kühlere Marktlage zwingen Infineon auch dazu, die geplanten Investitionen von 3,3 Milliarden auf etwa 2,9 Milliarden Euro zu senken, während bedeutende zukunftsgerichtete Investitionsprojekte, wie der Ausbau in Dresden und Kulim, Malaysia, fortgeführt werden.

Der Rückblick auf das erste Quartal des Geschäftsjahrs zeigt einen Umsatzrückgang von elf Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 3,7 Milliarden Euro, mit einbrechenden Erlösen in sämtlichen Sparten und einer sinkenden Segmentergebnis-Marge von 25,2 auf 22,4 Prozent.

Infineon schließt sich mit dieser Entwicklung anderen jüngsten Negativbeispielen aus dem Halbleiterbereich wie Intel und STMicroelectronics an, die bereits zuvor für Enttäuschung und Druck im Sektor gesorgt hatten.