27. März, 2026

Quartalszahlen

HRE-Zombie lebt: Wie Deutschland 17 Jahre nach der Finanzkrise noch immer Milliarden abwickelt

Die FMS Wertmanagement schreibt 43 Millionen Euro Gewinn – auf einem Portfolio von 36,6 Milliarden Euro Altlasten. Das Ende ist noch lange nicht in Sicht.

HRE-Zombie lebt: Wie Deutschland 17 Jahre nach der Finanzkrise noch immer Milliarden abwickelt
80 % des HRE-Portfolios abgebaut, stille Lasten auf 4,9 Mrd. gesunken: Die Abwicklung kommt voran – aber das Ende liegt noch 15 Jahre entfernt.

Ein Gewinn, der die eigentliche Geschichte verdeckt

43 Millionen Euro Gewinn. Das klingt nach Erfolg. Im Kontext der FMS Wertmanagement ist es ein kleines Signal der Stabilität auf einem Berg von Risiken, der noch immer 36,6 Milliarden Euro schwer ist.

Die Abwicklungsanstalt FMSW wurde 2010 gegründet, um die toxischen Wertpapiere und Derivate der Hypo Real Estate aufzunehmen – jener Immobilienbank, die im Herbst 2008 nur durch eine staatliche Rettungsaktion im dreistelligen Milliardenbereich vor dem Kollaps bewahrt wurde. Die HRE war damals das größte Finanzinstitut, das im Zuge der globalen Finanzkrise in Deutschland zusammenbrach.

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Seitdem schrumpft das Portfolio. 2025 sank es um 4,2 Milliarden Euro auf 36,6 Milliarden Euro – begünstigt durch Währungseffekte. Seit der Übernahme ist es damit um rund 80 Prozent zusammengeschmolzen. Das klingt nach Fortschritt. Es bedeutet aber auch: Ein Fünftel des ursprünglichen Problemportfolios existiert noch immer, fast zwei Jahrzehnte nach der Krise.

Drei Viertel des Portfolios in drei Ländern

Die geografische Konzentration des verbleibenden Portfolios ist auffällig. Drei Viertel der Restpositionen entfallen auf Großbritannien, Italien und die USA. Das sind keine risikoarmen Märkte. Großbritannien kämpft mit strukturellen Haushaltsproblemen und einem schwachen Pfund. Italien gilt weiterhin als Sorgenkind der Eurozone mit hoher Staatsverschuldung. Und die USA befinden sich im Zins- und Konjunkturumbruch.

Dass ausgerechnet diese drei Länder das Schwergewicht des Restportfolios ausmachen, zeigt: Was übrig geblieben ist, sind nicht die einfachen Fälle. Die liquiden, unkomplizierten Positionen wurden längst abgebaut. Was verbleibt, sind komplexe, schwer handelbare Papiere – viele mit Laufzeiten weit jenseits von 2040.

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Ein Drittel läuft bis nach 2040 – das ist die eigentliche Zeitbombe

Der entscheidende Satz in der FMSW-Präsentation lautet: Ein Drittel der Papiere hat Laufzeiten, die über das Jahr 2040 hinausgehen. Das bedeutet, dass die Abwicklung der HRE-Altlasten Deutschland noch mindestens 15 weitere Jahre begleiten wird – wenn alles planmäßig läuft.

Planmäßig läuft es selten. Die FMSW selbst warnt: „Ein sofortiger oder kurzfristiger Verkauf aller Risikopositionen bei gleichzeitiger Auflösung der zugehörigen Derivate wäre weiterhin nur mit erheblichen Verlusten möglich." Die Stillen Lasten – also die potenziellen Verluste bei sofortiger Liquidation – lagen zum Jahresende 2025 bei 4,9 Milliarden Euro. Das ist ein Rückgang gegenüber 7,6 Milliarden Euro im Vorjahr, aber immer noch eine Summe, die jeden sofortigen Ausstieg ausschließt.

Schwarze Null als Ziel – kein Triumphzug

Für das laufende Jahr erwartet die FMSW mindestens eine schwarze Null. Das ist das bescheidenste aller Gewinnziele – und unter den gegebenen Umständen das richtige. Die Aufgabe der FMSW ist nicht Gewinnmaximierung. Sie ist geordneter Abbau unter Vermeidung von Verlusten für den deutschen Steuerzahler.

Diese Aufgabe erfüllt die Anstalt solide. 43 Millionen Euro Gewinn im zweiten Jahr in Folge, nach Jahren, in denen Verluste die Regel waren. Der operative Betrieb der Abwicklungsanstalt kostet Geld – Personal, Infrastruktur, rechtliche Absicherung komplexer Derivatepositionen. Dass der Betrieb nicht nur kostendeckend, sondern leicht profitabel läuft, ist eine bemerkenswerte Leistung angesichts der Portfoliokomplexität.

Die Lektion der HRE bleibt aktuell

Die Geschichte der Hypo Real Estate ist eine Mahnung, die in der aktuellen Finanzmarktdebatte zu schnell vergessen wird. Eine einzelne Bank, deren Refinanzierungsmodell auf kurzfristigen Kapitalmarktmitteln für langfristige Hypothekenportfolios basierte, brachte das deutsche Finanzsystem 2008 an den Rand. Die staatliche Rettung kostete über 100 Milliarden Euro an Garantien und Kapitalspritzen.

Was von dieser Rettung übrig bleibt, verwaltet die FMSW bis heute. 36,6 Milliarden Euro. Laufzeiten bis nach 2040. Stille Lasten von 4,9 Milliarden Euro.

43 Millionen Euro Gewinn klingt gut. Es ist der Gewinn auf dem Weg zum Ende einer Geschichte, die 2008 begann und noch lange nicht abgeschlossen ist.

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