18. Juli, 2024

Märkte

Hohe Rückstellung: EU-Kartelluntersuchung belastet Delivery Hero Aktie

Hohe Rückstellung: EU-Kartelluntersuchung belastet Delivery Hero Aktie

Delivery Hero, eine Größenordnung im Essenslieferdienst, sieht sich mit potenziellen Kosten in Höhe von über 400 Millionen Euro konfrontiert, die durch Verstöße gegen das EU-Kartellrecht verursacht werden könnten. Diese Summe übersteigt die bisher zurückgestellten 186 Millionen Euro markant. Das Unternehmen kündigte daher deutlich erhöhte Rückstellungen an.

Diese Nachricht ließ den Kurs der Delivery-Hero-Aktie am Montag zu Handelsbeginn in Richtung des Rekordtiefs von Februar fallen. Das Papier des MDax-gelisteten Unternehmens erlitt zwischenzeitlich zweistellige Kursverluste bis auf 17,35 Euro. Jedoch folgte überraschend rasch eine deutliche Erholung. Analysten zeigten sich insgesamt gelassen und sehen trotz der negativen Neuigkeiten keine substanzielle Bedrohung für das Unternehmen.

Im weiteren Verlauf des Handelstages konnte sich die Aktie stabilisieren und erreichte zwischenzeitlich wieder die Marke von 20 Euro, was einen Verlust von weniger als fünf Prozent bedeutete. Zum Vergleich: Im Februar lag das Rekordtief bei 14,92 Euro, während Mitte Mai der Kurs noch über 32 Euro notierte. Damals profitierte das Unternehmen vom erfolgreichen Verkauf des Foodpanda-Geschäfts in Taiwan sowie dem Einstieg des US-Mobilitätsriesen Uber.

Analyst Giles Thorne vom Analysehaus Jefferies merkte an, dass weder die Höhe der Strafe noch die Fähigkeit von Delivery Hero, diese zu bewältigen, das Hauptproblem darstellen. Die Firma verfüge über ausreichend Barmittel. Vielmehr könne die Buße ein Präzedenzfall für andere Unternehmen werden. Thorne begrüßte die transparenten Sofortmaßnahmen des Managements.

Marcus Diebel von JPMorgan wies darauf hin, dass ein Abfluss von rund 400 Millionen Euro die Refinanzierung von Delivery Hero kurzfristig nicht gefährden würde. Die damit verbundenen Rechtsrisiken könnten jedoch weiterhin hohe Kursschwankungen verursachen. Auch UBS-Analyst Jo Barnet-Lamb blieb optimistisch und bestätigte die solide Bilanz des Unternehmens.

Die Analysten von Bryan Garnier stellten fest, dass selbst unter Berücksichtigung eines weiteren spanischen Bußgelds von 300 Millionen Euro, das die Praktiken der Tochterfirma Glovo betrifft, Delivery Hero in der Lage sein werde, alle Verpflichtungen zu erfüllen und den geforderten Mindestbestand an Barmitteln von 800 Millionen Euro einzuhalten. Sie betonten allerdings, dass diese Zahlen bisher unbestätigt sind.

Das von der EU-Kommission eingeleitete Verfahren untersucht Anschuldigungen über wettbewerbswidrige Absprachen zur Aufteilung nationaler Märkte, den Austausch sensibler Wirtschaftsdaten und das Aussprechen von Abwerbeverboten. In diesem Zusammenhang führte die Behörde im Juli 2022 und November 2023 unangekündigte Durchsuchungen bei Delivery Hero und anderen Unternehmen der Branche durch.