22. Februar, 2024

Märkte

Historischer Preissturz: Teils zweistellige Einbußen bei Wohnimmobilien

Historischer Preissturz: Teils zweistellige Einbußen bei Wohnimmobilien

Ein unerwartet steiles Gefälle offenbart sich auf dem deutschen Immobilienmarkt, wie das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) in einer jüngsten Analyse betont. In einem bisher nicht dagewesenen Ausmaß sind die Preise über alle Wohnsegmente hinweg ins Rutschen gekommen. Von Eigentumswohnungen über Ein- und Mehrfamilienhäuser, die Immobilienbranche erlebt den größten Preisrutsch seit der Einführung einer systematischen Preisbeobachtung vor circa sechs Dekaden.

Ein Blick auf den German Real Estate Index legt offen: Eigentumswohnungen verbuchten einen Preisfall um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei Einfamilienhäusern betrug dieser 11,3 Prozent und Mehrfamilienhäuser verzeichneten sogar einen dramatischen Rückgang um 20,1 Prozent. Diese Zahlen speisen sich aus Kaufpreiserfassungen der Gutachterausschüsse und inkludieren notarielle Verkaufsdaten - unter Berücksichtigung der Inflation potenziert sich der Wertverlust sogar noch.

Eine historische Perspektive zeigt auf, dass zur Zeit der stärksten Einbrüche in den 1990er-Jahren eine ähnliche Talfahrt beobachtet wurde. Allerdings erstreckte sich dieser Prozess über eine Zeitspanne von etwa einem Jahrzehnt. Der derzeitige Preisverfall fußt auf einem Immobilienboom, der seit annähernd 2009 die Preise, abhängig vom Segment, teils vervierfachte. Der abrupte Umschwung des Jahres 2022, ausgelöst durch steigende Kreditzinsen, entzog jedoch vielen Käufern die finanzielle Grundlage, und auch für Investoren schmolzen die Anreize dahin.

Trotz der Abschwünge äußert sich IfW-Präsident Moritz Schularick mit einer gewissen Gelassenheit über die preisliche Kurskorrektur nach mehr als einem Jahrzehnt enormen Wachstums. Eine weiterführende stabile Basis für die Immobilienpreisentwicklung könne in den nächsten Quartalen erkennbar werden, ein prognostisches Bild, das aber erst die Zukunft schärfen könne.

Eine partielle Stabilisierung des Marktes konnte im letzten Quartal 2023 bereits beobachtet werden. Hier reduzierten sich die Preise für Eigentumswohnungen lediglich um 0,6 Prozent, Einfamilienhäuser gingen um 1,2 Prozent zurück, während Mehrfamilienhäuser sogar einen Anstieg von 4,7 Prozent erfuhren – wenn auch bei größerer Volatilität aufgrund weniger Transaktionen.

Die Divergenz zeigt sich auch in den Metropolen: Während Köln und Stuttgart einen deutlichen Rückgang um je 3,6 Prozent verzeichneten, stagnierten die Preise in Berlin, Frankfurt und Hamburg nahezu. Für Düsseldorf und München standen im letzten Jahresquartal keine aktuellen Daten zur Verfügung. Die Jahresfrist bestätigt den negativen Trend: Alle Wohnimmobilienkategorien lagen im Vergleich zum Vorjahresquartal bedeutend im Negativbereich, offizielle Zahlen für das vierte Quartal stehen vom Statistischen Bundesamt noch aus.