14. März, 2026

Technologie

Historische Mission: China greift nach Mondgeheimnissen auf der Rückseite

Historische Mission: China greift nach Mondgeheimnissen auf der Rückseite

In einem Pionierschritt, der Wissenschaftsgeschichte schreiben könnte, sendet China mit Chang'e-6 eine Sonde zur erdabgewandten Seite des Mondes. Die Mission strebt danach, als erste überhaupt eine Probe von jener Mondregion zur Erde zurückzubringen, die unseren irdischen Blicken stets verborgen geblieben ist.

Die mondtypische, in der Vergangenheit erstarrte Oberfläche, unverändert durch Erosion oder plattentektonische Bewegungen, erscheint in diesem Aspekt für Forscher besonders reizvoll. Durch die geplanten Probenentnahmen erhofft man sich neue Erkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung des Erde-Mond-Systems.

Angeführt wird das ambitionierte Unterfangen von der nach einer chinesischen Mondgöttin benannten Chang'e-6-Sonde. Der Start ist für Freitag frühmorgens, 5:27 Uhr Ostküstenzeit, von Chinas Weltraumbahnhof auf der Insel Hainan angesetzt. Eine Liveübertragung des Ereignisses wird von der China Global Television Network, dem chinesischen staatlichen Nachrichtensender, ab 4:30 Uhr Ostküstenzeit bereitgestellt.

Auf die Reise ins All geschickt wird die Sonde an der Spitze einer Long March 5 Rakete. Sollte das Wetter den Startplan durchkreuzen, ist bereits für den nächsten Tag ein gleich langes Zeitslot als Ausweichmöglichkeit reserviert.

Bei der Mission handelt es sich um den neuesten Spross in der Reihe chinesischer Mondforschungsvorhaben. Während die Chang'e-4-Mission 2019 erstmalig das Terrain der fernen Seite des Mondes betrat und den Von-Kármán-Krater mittels Rover erkundete, konnte Chang'e-5 ein Jahr später etwa vier Pfund Mondstaub von der uns zugewandten Seite sammeln und auf die Erde bringen. Diese Proben fanden bereits das Interesse internationaler Wissenschaftler, auch aus den USA.

Nach dem Start wird die Reise zur fernen Mondseite etwa einen Monat beanspruchen, die Rückkehr ebenso. Ein Orbiter wird währenddessen den Mond umkreisen, während der Lander auf der Oberfläche Bodenproben mit einem mechanischen Arm und eine Untergrundprobe in bis zu zwei Metern Tiefe mittels Bohrer entnimmt. Danach wird ein Aufstiegsmodul die gesammelte Probe an das Rückkehrmodul des Orbiters übergeben, um sie zur Erde zu bringen.

Die Rückseite des Mondes, oft fälschlich als dunkle Seite bezeichnet, zeichnet sich durch eine dickere Kruste und eine Vielzahl von Kratern aus. Die Probenentnahme soll Aufschluss darüber geben, weshalb sich die zwei Mondhälften so deutlich unterscheiden. Im Fokus steht das Südpol-Aitken-Becken, wo Wissenschaftler Material aus dem Mondinneren zu finden hoffen, was Rückschlüsse auf die Geschichte des Mondinnern ermöglichen könnte.

Um mit der erdabgewandten Seite des Mondes zu kommunizieren, setzt China auf Relaissatelliten wie Queqiao und dessen kürzlich gestartetes Schwestermodell Queqiao-2, die Informationstransfers während der Probenentnahme gewährleisten sollen.

Chang'e-6 fügt sich nahtlos in Chinas weitgefächerte Raumfahrtambitionen ein, die neben Mondmissionen auch das Marsprogramm und geplante Asteroidenexpeditionen umfassen. Mit einem Erfolgsergebnis von 100 Prozent bis dato, steht das Chang'e-Programm repräsentativ für Chinas fortwährenden Aufstieg im globalen Raumfahrtrennen. Für die nächsten Jahre sind die Chang'e-7 und Chang'e-8 Missionen schon in Planung, die unter anderem Wasservorkommen am südlichen Mondpol untersuchen und Materialtests für mögliche zukünftige Infrastrukturen durchführen sollen. Chinas Ziel: eine bemannte Mondmission bis 2030 und der Aufbau einer internationalen, dauerhaften Mondforschungsbasis im folgenden Jahrzehnt.