18. Juli, 2024

Wirtschaft

Handelsblatt: Großbritannien sollte auf EU-Strafzölle gegen chinesische Elektrofahrzeuge verzichten

Handelsblatt: Großbritannien sollte auf EU-Strafzölle gegen chinesische Elektrofahrzeuge verzichten

Die britische Regierung sollte die EU nicht in der Einführung von Strafzöllen auf chinesische Elektrofahrzeuge nachahmen. Während die EU diese Zollmaßnahmen einführt, um ihre Massenautomobilhersteller zu schützen, sieht die Lage in Großbritannien anders aus.

Ein großer Teil der britischen Massenproduktion von Fahrzeugen wurde bereits in die EU verlagert, was zu einem Handelsdefizit von 25 Milliarden Pfund in Fahrzeugen mit der EU führte. Nissan ist der einzige bedeutende Produzent, der in Großbritannien verblieben ist, wobei 70 Prozent seiner Produktion in die EU exportiert werden. Somit würden die EU-Zölle die Fahrzeugproduktion in Sunderland schützen.

Gleichzeitig verschiebt sich die britische Automobilindustrie unaufhaltsam in Richtung hochwertiger, maßgeschneiderter Marken. Diese Premium-Fahrzeuge dominieren die globalen, nicht-EU-Exporte Großbritanniens im Wert von 28 Milliarden Pfund und sind nicht von chinesischen Importen bedroht. Drohende Vergeltungszölle aus China hingegen könnten diesen Sektor gefährden.

Deshalb lautet die britische Rechnung anders. Je mehr sich das Vereinigte Königreich aus diesem Handelskrieg heraushält, desto besser wird es abschneiden. Investitionen in die Automobilindustrie könnten zurück nach Großbritannien fließen, das als verlässliche Basis für zollarme globale Exporte gelten würde. Britische Verbraucher könnten zu geringeren Kosten auf Elektrofahrzeuge umsteigen. Das Vereinigte Königreich würde ein großes Handelsdefizit mit der EU gegen ein moderateres mit China eintauschen. Auch wenn es der EU nicht gefallen dürfte, sollten britische Arbeitsplätze Vorrang haben.