18. Juli, 2024

Politik

Hamas-Gespräche in Kairo: Israelische Delegation sucht Waffenruhe und Geiselaustausch

Hamas-Gespräche in Kairo: Israelische Delegation sucht Waffenruhe und Geiselaustausch

Eine israelische Delegation unter der Führung von Ronen Bar, dem Leiter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, hat sich Medienberichten zufolge nach Kairo begeben. Ziel der seit Monaten andauernden, indirekten Gespräche mit der islamistischen Hamas, bei denen Ägypten, Katar und die USA als Vermittler fungieren, ist eine Waffenruhe im Gaza-Krieg sowie ein Austausch von Geiseln gegen palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen. Die Hamas zeigt sich offenbar zunehmend flexibel und ist bereit, von ihrer ursprünglichen Forderung, dass Israel sich vorab zum Ende des Kriegs verpflichten müsse, abzurücken. Trotzdem beharrt Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf dem Recht Israels, die Kämpfe auch nach Umsetzung eines möglichen Abkommens fortzusetzen. Dies unterstrich er in einem vom Büro des Ministerpräsidenten veröffentlichten Dokument, das festhält: "Jedes Abkommen wird Israel erlauben, die Kämpfe wieder aufzunehmen, bis alle Kriegsziele erreicht sind." Unter Kriegszielen versteht Netanjahu die vollständige Zerschlagung der Hamas als militärische und Regierungsmacht im Gazastreifen. Kritiker sehen in diesen "unverhandelbaren" Bedingungen einen Versuch, die wieder aufgenommenen Verhandlungen in Kairo und Katar zu torpedieren. Am vergangenen Wochenende demonstrierten Zehntausende in israelischen Städten, um den Druck auf Netanjahu zu erhöhen, ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln zu erzielen. Netanjahu regiert momentan mit ultra-religiösen und rechtsextremen Koalitionspartnern, die jegliche Zugeständnisse an die Hamas ablehnen. Für sein politisches Überleben ist er auf diese Partner angewiesen, während gegen ihn seit langem ein Korruptionsprozess läuft. Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober des Vorjahres im Süden Israels. Dabei wurden 1200 Menschen getötet und 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel vermutet noch rund 120 Entführungsopfer im abgeriegelten Küstengebiet, von denen viele möglicherweise nicht mehr am Leben sind.