24. Juli, 2024

Wirtschaft

Grünes Licht für Lufthansa: EU genehmigt Einstieg bei Ita Airways unter Auflagen

Grünes Licht für Lufthansa: EU genehmigt Einstieg bei Ita Airways unter Auflagen

Die Lufthansa hat grünes Licht von der EU-Kommission für den Einstieg bei der italienischen Fluggesellschaft Ita Airways erhalten. Nach einer gründlichen Prüfung stimmten die Wettbewerbshüter dem Vorhaben zu, forderten jedoch die Einhaltung mehrerer Bedingungen. So müssen Lufthansa und ihre neuen Partner Start- und Landerechte in Mailand-Linate abgeben und neuen Mitbewerbern auf der Mittel- und Langstrecke Starthilfe leisten. Verhandlungen mit Konkurrenzunternehmen sollen ebenfalls aufgenommen werden.

Im ersten Schritt erwirbt der im MDax gelistete Lufthansa-Konzern 41 Prozent der Anteile an der ehemaligen Alitalia. Langfristig ist eine komplette Übernahme möglich. Heute Mittag wollen sich die beiden Konzernchefs Carsten Spohr und Antonino Turicchi in Rom gemeinsam vor der Presse äußern. Auch Italiens Finanzminister Giancarlo Giorgetti wird anwesend sein.

Die Verhandlungen und Prüfungen zogen sich über ein Jahr hin. Ita Airways ging 2020 aus der zuvor kriselnden Alitalia hervor und beschäftigt derzeit rund 4.500 Mitarbeitende. Im Vergleich dazu zählt die Lufthansa-Gruppe knapp 99.000 Beschäftigte weltweit und hat bereits frühere Staatsairlines wie Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines integriert. Der Markenname Alitalia könnte in naher Zukunft wiederbelebt werden.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigte sich zuversichtlich, die Genehmigung aus Brüssel rasch zu erhalten. Mit der Übernahme sichert sich Lufthansa Zugang zum lukrativen italienischen Markt, insbesondere zu den USA. Dies markiert zudem einen Rückschlag für die von Air France dominierte Allianz „Sky Team“, der Ita bislang angehörte.

Experten sind der Meinung, dass Ita allein kaum überlebensfähig wäre. Billigfluganbieter wie Ryanair und EasyJet haben Ita im Heimatmarkt verdrängt, und auch auf transatlantischen Strecken fällt es der Airline schwer, gegen größere US-Anbieter zu bestehen. Im Lufthansa-Verbund könnten sich jedoch erhebliche betriebliche Vorteile ergeben. Diese Argumentation überzeugte letztlich auch die EU-Kommission, obwohl sie Bedenken hinsichtlich der Marktkonzentration auf Kurzstrecken und über dem Nordatlantik anmeldete.

Die Kommission befürchtet mögliche Nachteile für Verbraucher durch eine zu hohe Marktmacht von Lufthansa, was theoretisch zu höheren Ticketpreisen führen könnte. Italienische Regierungsvertreter mutmaßten zwischenzeitlich, dass Konkurrenten wie Air France die Übernahme durch Lufthansa in Brüssel torpedierten.

Laut dem gemeinsamen Businessplan sollen ab 2027 Umsätze von 4,1 Milliarden Euro erreicht werden. Die initialen Investitionen von 325 Millionen Euro sollen in das Eigenkapital der Airline fließen, die ebenfalls jüngst Sparrunden hinter sich hat. Der italienische Staat bleibt vorerst beteiligt, wobei Lufthansa ab 2025 die Option auf weitere 49 Prozent ziehen kann. Damit könnte Lufthansa letztlich alleiniger Eigentümer der Airline werden.

Als potenzieller neuer Ita-Chef wird Lufthansa-Strategiechef Jörg Eberhart gehandelt, der bereits Erfahrung als Leiter der Regionaltochter Air Dolomiti gesammelt hat.