Es ist das Comeback des Jahres auf dem deutschen Immobilienmarkt. Während die Baubranche noch über hohe Kosten klagt, reibt man sich beim Berliner Finanzdienstleister Hypoport die Hände. Die am Freitagmorgen präsentierten Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 sind ein Paukenschlag: Der Umsatz kletterte auf 603 Millionen Euro, während sich das operative Ergebnis (Ebit) mit 33 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt hat. Hypoport beweist damit eine beeindruckende Resilienz und nutzt die spürbare Belebung bei privaten Immobilienfinanzierungen schamlos aus.
An der Börse lösten die Nachrichten eine regelrechte Kaufwelle aus. Das Papier schoss zeitweise um über acht Prozent nach oben und gehört damit zu den Top-Performern des Tages. Investoren honorieren vor allem die Tatsache, dass Hypoport seine im Herbst nach unten korrigierten Ziele nicht nur punktgenau erreicht, sondern am oberen Ende der Erwartungen gelandet ist. Der Markt feiert das Ende der Zurückhaltung und wettet nun massiv auf eine Fortsetzung dieser Goldgräberstimmung im laufenden Jahr.
Die Rückkehr der Häuslebauer treibt die Marge
Der Motor hinter diesem Erfolg ist das Kerngeschäft mit privaten Immobilienkrediten. Nachdem der Markt durch die Zinswende zeitweise schockgefroren war, kehren die Käufer nun scharenweise zurück. Der Rohertrag von Hypoport stieg 2025 auf beachtliche 266 Millionen Euro. Dass sich das Ebit dabei fast verdoppelte, zeigt, wie effizient die Plattform-Struktur des Konzerns arbeitet: Sobald das Volumen steigt, schlägt der Skalierungseffekt voll auf das Ergebnis durch.

Firmenchef Ronald Slabke macht deutlich, dass dies erst der Anfang ist. Für 2026 peilt er einen Rohertrag von mindestens 280 Millionen Euro an. Beim Ebit legt er die Messlatte noch höher: 40 bis 55 Millionen Euro stehen im Schaufenster. Es ist ein klares Signal an die Konkurrenz, dass Hypoport seine Marktführerschaft im digitalen Vertrieb von Finanzprodukten zementieren will. Die Anleger interpretieren diesen Ausblick als Beweis dafür, dass die Talsohle im Immobiliensektor nicht nur durchschritten, sondern bereits in Vergessenheit geraten ist.
Aggressiver Ausblick sorgt für Kurs-Feuerwerk
Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wirkt wie ein Brandbeschleuniger für den Aktienkurs. Wenn Hypoport das obere Ende der Ebit-Spanne von 55 Millionen Euro erreicht, würde dies eine weitere Steigerung um rund 66 Prozent bedeuten. Das Unternehmen setzt darauf, dass die Stabilisierung der Bauzinsen und der anhaltende Wohnraummangel die Nachfrage nach Finanzierungen weiter befeuern. Die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells sorgt dafür, dass jeder zusätzliche Euro Umsatz überproportional im Gewinn hängen bleibt.
Analysten zeigen sich beeindruckt von der operativen Dynamik. Während klassische Banken oft mit hohen Fixkosten in ihren Filialnetzen kämpfen, spielt Hypoport die Stärken seiner Plattform Europace voll aus. Die Digitalisierung des Kreditprozesses ermöglicht es, das wachsende Volumen ohne massive Personalsteigerungen abzuwickeln. Es ist das Idealbild eines modernen Finanzintermediärs, der in einem sich erholenden Markt die Ernte einfährt.
Die Pointe dieses Erfolgsberichts: Noch vor wenigen Monaten herrschte bei Hypoport Weltuntergangsstimmung, als die Ziele gesenkt werden mussten. Heute ist davon nichts mehr zu spüren. Der Konzern hat sich gesundgeschrumpft und ist nun so schlagkräftig wie nie zuvor. Wer auf Hypoport setzt, wettet auf das unzerstörbare Bedürfnis der Deutschen nach den eigenen vier Wänden – und darauf, dass Ronald Slabke den Algorithmus für maximalen Profit geknackt hat.


