28. Februar, 2024

Politik

Gemischte Gefühle bei bevorstehender Cannabis-Legalisierung in Deutschland

Gemischte Gefühle bei bevorstehender Cannabis-Legalisierung in Deutschland

Die nahende Cannabis-Legalisierung in Deutschland sorgt für gemischte Gefühle unter Eltern und Experten. Eine aktuelle Forsa-Umfrage, initiiert von der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), zeigt, dass 63 Prozent der Eltern mit minderjährigen Kindern befürchten, dass der Griff zum Joint durch die neue Gesetzgebung normalisiert wird und dadurch die Hemmschwelle für Jugendliche zum Konsum sinkt. Die KKH, eine der größten bundesweiten Kassen mit 1,6 Millionen Versicherten, veröffentlichte diese Ergebnisse im Rahmen einer repräsentativen Untersuchung von 1000 Elternteilen.

Die besagte Studie offenbart tiefergehende Bedenken: 73 Prozent der Eltern sorgen sich um potenzielle Gehirnschäden bei ihren Kindern durch Cannabiskonsum, während 70 Prozent psychische Auffälligkeiten befürchten. Fast ebenso viele sehen die Gefahr einer Abhängigkeit und 64 Prozent sind überzeugt, dass der schulische Erfolg darunter leiden könnte.

Diese Sorgen finden Rückendeckung durch Martin Korte, Hirnforscher an der Technischen Universität Braunschweig. Korte warnt vor den Auswirkungen von Cannabinoiden auf die Gehirnentwicklung Jugendlicher, speziell im Stirnlappen, der für die Regulierung von Impulsen und die kognitive Leistungsfähigkeit entscheidend ist. Die geistige Leistungsfähigkeit kann demnach durch regelmäßigen Konsum nachlassen. Der Experte empfiehlt daher, den legalen Erwerb von Cannabis erst ab 25 Jahren zu erlauben, da das Frontalhirn seine Entwicklung erst bis Mitte 20 abschließt.

Die Gesetzgebung zur Cannabis-Legalisation, die bereits am 1. April wirksam werden soll, wurde von den Ampel-Koalitionsfraktionen nach langen Diskussionen abgesegnet. Das Gesetz sieht vor, dass eigener Anbau sowie der Besitz bestimmter Mengen für Volljährige zulässig sein werden, mit der Öffnung von Cannabis-Zuchtclubs ab dem 1. Juli.

Trotz der Tatsache, dass andere Länder wie Uruguay und bestimmte US-Bundesstaaten bereits den Schritt zur Legalisierung gemacht haben, warnen Politiker und Organisationen wie die Bundesärztekammer und die Gewerkschaft der Polizei vor dem Vorhaben. Laut KKH-Daten gab es in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen einen Anstieg der Diagnosen im Zusammenhang mit Cannabis zwischen 2012 und 2022.

Abschließend verweist Justin Onyechi vom Präventionsteam der KKH auf das gesteigerte Risiko einer späteren Abhängigkeit und des Konsums weiterer Drogen, sollte im Jugendalter regelmäßig Cannabis konsumiert werden. Ferner dürfe die Legalisierung nicht zu einer Beeinträchtigung des Nichtraucherschutzes führen, denn oft wird Cannabis zusammen mit Tabak geraucht.