21. Juni, 2024

Wirtschaft

Fußball-EM 2024: Zwischen Hoffnung und äußerster Zurückhaltung

Fußball-EM 2024: Zwischen Hoffnung und äußerster Zurückhaltung

Die Volkswirte der Dekabank gestehen ein, dass sie bei der Vorhersage des Bundestrainers für die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft schon vor Turnierbeginn danebenlagen. Ursprünglich hatten sie prognostiziert, dass Hansi Flick die deutsche Mannschaft bei der Heim-EM führen würde. Doch nun übernimmt Julian Nagelsmann diese Rolle, was immerhin nahe daran kommt, da auch er kurz vor Amtsantritt Trainer des FC Bayern München war. Mit gewohntem akribischen Ansatz haben die Deka-Ökonomen um Chefvolkswirt Ulrich Kater die Chancen der deutschen Mannschaft unter Nagelsmann berechnet. Ernüchternd fällt das Ergebnis aus: Sowohl menschliche Expertenmeinungen als auch computergestützte Modelle sehen Frankreich als klaren Favoriten für den EM-Titel. Deutsche Fußball-Fans hoffen dennoch, dass die heimische Elf nach enttäuschenden Turnieren in den letzten Jahren vom Heimvorteil profitieren kann. Rund 19 Prozent der Befragten einer Kantar-Umfrage im Auftrag der ING glauben an den Titelgewinn für Deutschland. Statistiken dämpfen jedoch die Erwartungshaltung: Auf dem Portal «fussballmathe.de» berechnete der Mathematikdidaktiker Matthias Ludwig anhand verschiedener Parameter eine Siegchance von lediglich 3,95 Prozent für Deutschland. Frankreich, England und Spanien liegen mit deutlich höheren Wahrscheinlichkeiten vorne. Ökonomen werfen auch einen kritischen Blick auf die makroökonomischen Effekte der Fußball-EM. Michael Grömling vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) merkt an, dass große Sportereignisse nicht unbedingt zu einem Konjunkturaufschwung führen. Vielmehr könnten Konsumausgaben nur umverteilt werden. Ähnlich äußerte sich Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), der keine signifikanten gesamtwirtschaftlichen Effekte erwartet. Psychologisch könnte das Großereignis allerdings positive Effekte haben. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, betont, dass ein guter Auftritt der deutschen Mannschaft die Stimmung im Land heben könnte, wenngleich das allein nicht ausreiche, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Die Experten der Deutschen Bank bleiben sportlich optimistisch und prognostizieren, dass Deutschland mindestens das Finale erreichen könnte. Die Dekabank-Ökonomen halten trotz aller Vorsicht eine sportliche Überraschung weiterhin für möglich. Ihnen zufolge könnte der historische Moment eines zweiten „Finale dahoam“ 50 Jahre nach dem WM-Finale 1974 gefeiert werden – diesmal in Berlin. „Det wär‘ knorke“.