21. Juni, 2024

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Fusionsfieber in der Bergbauindustrie: BHP und Anglo American verlängern Gespräche über Rekorddeal

Fusionsfieber in der Bergbauindustrie: BHP und Anglo American verlängern Gespräche über Rekorddeal

In einem beispiellosen Vorgang in der Bergbauindustrie konnten sich BHP und Anglo American auf eine Verlängerung der Übernahmeverhandlungen um eine weitere Woche einigen, obwohl Anglo American das jüngste Angebot, welches mit £31.11 pro Aktie über dem ursprünglichen Preis von etwa £25 lag, zurückwies. Die Offerte, die als 'letztes' Gebot von BHP bezeichnet wurde und die Abspaltung von Anglo Americans südafrikanischen Platin- und Eisenerzsparten vorsieht, stößt weiterhin auf Widerstand, obwohl aus der neuesten Ablehnung durch Anglo herauszuhören ist, dass das Unternehmen das Angebot nicht länger als eine erhebliche Unterbewertung betrachtet.

Analysten sehen die Angebotsrange von £30-£35 pro Aktie als potenziellen Wendepunkt für Verhandlungen an, einen Wert den BHP nun erreicht hat. Trotzdem bestehen bei Anglo American 'ernsthafte Bedenken' bezüglich der Risiken, die mit den erforderlichen Abspaltungen einhergehen würden. Strukturänderungen oder ein höheres Angebot scheinen die Alternativen für BHP zu sein, um den Deal zu versüßen.

Die beiden Bergbauriesen ringen vor allem um die Gestaltung des Geschäfts, von dem Anglo behauptet, es handle sich um eine 'beispiellose' Forderung einer Selbstreinigung vor einer Übernahme. Anglo American sieht in den Vorschlägen von BHP eine Unterschätzung der Kosten, Zeit und Risiken, die durch simultanen Eigentumsübergang und die Abspaltung der südafrikanischen Einheiten entstehen würden.

BHP muss sich nun den Herausforderungen stellen und überzeugende Argumente vorbringen oder ein neues Angebot unterbreiten, welches die von Anglo angedeuteten Risiken und Kosten ausreichend berücksichtigt. Gleichzeitig will das Unternehmen die Zustimmung südafrikanischer Wettbewerbsbehörden und Regierungsabteilungen gewinnen, um kostenintensive Auflagen zu vermeiden.

Der zu erwartende Widerstand spiegelt sich auch in den Verhandlungen anderer Unternehmen wider, wie das Beispiel Vitol zeigt, welches über 400 Tage benötigte, um den Kauf der Gassationen von Engen in Südafrika abzuschließen. Auch die Bewertung von Anglo Americans wertvollen Kupferminen könnte aufgrund schwankender Rohstoffpreise noch Zündstoff liefern.

BHP bezeichnet sein Angebot zwar als 'endgültig', aber feine juristische Nuancen lassen Raum für Spekulationen über mögliche Anpassungen, sollte sich ein weiterer Bieter wie Glencore einmischen. Interne Stimmen bei BHP äußern sich zwiegespalten bezüglich des Spielraums für eine Verbesserung des Angebots, während die Minenchefs persönlich unter Druck stehen, das Geschäft abzuschließen.

Die Aktien von BHP und Anglo American reagierten unterschiedlich auf die neuesten Entwicklungen: Während BHP Verluste hinnehmen musste, hielt Anglo seine Gewinne der letzten Zeit weitestgehend.

Trotz positiver Signale einiger Aktionäre und der Annäherung in den letzten Stunden bleibt die Zukunft der potentiellen Mega-Fusion unsicher. Experten wie Chris LaFemina von Jefferies warnen, dass selbst bei einer Einigung weiterhin mit Widerstand zu rechnen sein könnte.