29. Februar, 2024

Wirtschaft

Führungswechsel bei Orlen: Polens Ölriese trennt sich vom langjährigen Chef

Führungswechsel bei Orlen: Polens Ölriese trennt sich vom langjährigen Chef

Nach einem politischen Umbruch in Polen nimmt der Mineralölkonzern Orlen Abschied von seinem bisherigen Chef. Der 48-jährige Daniel Obajtek, häufig als Protegé des ehemaligen PiS-Parteichefs Jaroslaw Kaczynski betrachtet, wird seine Position zum 5. Februar aufgeben. Der Energiemulti, der in Deutschland durch die Tankstellenkette "Star" bekannt ist und zudem als potenzieller Interessent für eine Beteiligung an der PCK Raffinerie in Schwedt gilt, vollzieht damit einen markanten Wechsel an der Spitze.

Obajtek, der im Herbst des Vorjahres über die nationalen Grenzen hinaus Schlagzeilen machte, sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, im Zuge der Parlamentswahlen durch ungewöhnlich niedrige Benzinpreise die damalige Regierungspartei PiS unterstützt zu haben – eine Praxis, die in Teilen zu Engpässen an den Zapfsäulen führte. Obwohl diese Vorwürfe noch rechtlich geklärt werden müssen, verlor die PiS, und das Regierungszepter liegt nun in den Händen einer Mitte-Links-Koalition angeführt vom Premier Donald Tusk.

Doch damit enden die Herausforderungen für Orlen nicht. Die polnische Justiz ermittelt ebenfalls wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei der Fusion von Orlen mit der Raffinerie Lotus, besonders im Hinblick auf einen Aktienverkauf an Aramco. Es besteht der Verdacht, dass dabei ein Anteil von 30 Prozent der Lotus-Aktien unter Marktwert an den saudischen Ölriesen transferiert wurde. In dieser Causa könnten weitere juristische und politische Nachspiele folgen, da die neue Regierung die Einberufung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses in Erwägung zieht.

In diesen wirtschaftsplolitischen Strudel platziert sich der Konzern in einer kritischen Neuorientierungsphase, die mit der Entlassung Obajteks als konsequente Reaktion auf die jüngsten Ereignisse gesehen werden kann.