25. Februar, 2024

Wirtschaft

Frühlingshafte Aussichten für die Fahrradbranche – trotz gedämpfter Erwartungen

Frühlingshafte Aussichten für die Fahrradbranche – trotz gedämpfter Erwartungen

Der Start in die Radsaison 2023 wird von einer Mischung aus Optimismus und Sorge begleitet. Während das Frühlingswetter traditionell die Begeisterung für das Radfahren weckt, zeigt sich die Branche bedingt durch überfüllte Läger und die Verminderung im Verkauf neuer Fahrräder noch zurückhaltend. Anke Schäffner vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sieht in der aktuellen Situation Potenzial für weitere Insolvenzen, betont jedoch, dass keine Insolvenzwelle zu erwarten ist.

Die Branche steht vor der Herausforderung, den Überhang an Lagerbeständen abzubauen, der sich nach dem Verkaufsboom in der Corona-Pandemie angehäuft hat. Nicht zuletzt deshalb mussten Verbraucher in letzter Zeit attraktive Preisnachlässe in Kauf nehmen, und einige Firmen gerieten in finanzielle Bedrängnis.

Eine Besserung der Lage wird von vielen Unternehmen erst zum Jahresende oder Anfang 2025 erwartet, wobei insbesondere die Komponentenhersteller als gefährdet gelten, da sie erfahrungsgemäß erst verzögert von einer erneuten Nachfrage belebt werden. Uwe Wöll vom Verbund Service und Fahrrad (VSF) weist darauf hin, dass die Ursachen für Insolvenzen vielschichtig sind und nicht allein durch aktuelle Marktlagen bedingt werden. Es sei eine Probe für die wahre Gesundheit eines Unternehmens, wie es zum Beispiel mit Liquiditätsproblemen oder hohen Lagerbeständen umgeht.

Die Branche setzt außerdem auf das Wetter als treibende Kraft für den Saisonstart. Gute Witterung kann das Kaufverhalten positiv beeinflussen, und ein kreatives Marketing kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von klimatischen Bedingungen zu verringern.

Sowohl die Industrieverbände als auch die Unternehmen sind sich einig darüber, dass es zusätzlich auf günstigere politische Bedingungen ankommt, um die Fahrradnutzung zu fördern. Hierzu gehört eine bessere Infrastruktur genauso wie die Anerkennung der Fahrradindustrie im Kontext der deutschen Industriestrategie. Anke Schäffner fordert einen ernsteren Umgang mit der Branche, insbesondere angesichts steigender gesellschaftlicher Erwartungen in Bezug auf Klimaziele und Gesundheit.

Langfristige Zuversicht prägt das Bild der Industrie, angefacht durch die Erkenntnis, dass ein Viertel der Deutschen plant, dieses Jahr ein Fahrrad anzuschaffen. Die Branche sieht darin ungeachtet der jüngsten Marktsättigungstendenzen ein erhebliches Potential. Innovative Konzepte wie Lastenräder und Dienstradleasing versprechen neue Wachstumschancen und dienen dazu, die Attraktivität hochwertiger Fahrräder zu erhöhen, wie Oliver Römer von Tout Terrain hervorhebt.