Die israelischen Streitkräfte intensivieren ihre militärischen Vorstöße im Gazastreifen und fokussieren sich neuerlich auf Regionen mit vorherigen Einsätzen wie das Flüchtlingsviertel Dschabalia im Norden des Gebiets. Mit der erklärten Zielsetzung, die Wiederherstellung der Infrastruktur durch die Hamas zu unterbinden, haben israelische Soldaten laut Armeeangaben am Wochenende ihre Anwesenheit in dem Gebiet verstärkt. Gleichzeitig wird von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Hamas-Kämpfern und israelischen Truppen berichtet. Die Operationen erstrecken sich zudem auf die dicht besiedelte Stadt Rafah im südlichen Teil des Gazastreifens sowie das nördliche Viertel Al-Saitun. Die israelische Armee behauptet, basierend auf Geheimdienstinformationen zu handeln, wobei diese auf Bestrebungen der Hamas hindeuten, ihre zuvor zerstörten Strukturen zu rekonstruieren. Im Fokus der Maßnahmen stünden die Zerschlagung der letzten Hamas-Bataillone und die Eliminierung von Schmuggel-Tunneln. In der Zwischenzeit tragen die Rufe nach Evakuierung seitens Israels zu tiefer Beunruhigung bei. Besonders betroffen von Evakuierungsanweisungen sind die Anwohner des nordöstlichen Rafah und Dschabalias, zwei Gebiete, von denen die israelische Armee annimmt, dass sie jeweils hunderttausende Palästinenser beherbergen. Hierzu äußerte sich das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA alarmiert. Die politischen Reaktionen auf die jüngsten Entwicklungen sind gemischt. Bundeskanzler Olaf Scholz mahnte Israel vor einer Eskalation der militärischen Vorgehensweisen. Währenddessen gibt es innerhalb Israels Proteste gegen die Amtsführung von Premierminister Benjamin Netanjahu, insbesondere von Angehörigen von Geiseln, die während der Hamas-Übergriffe am 7. Oktober ums Leben kamen. Auch berichtet die "Washington Post" über das Angebot der USA an Israel, Unterstützung im Bereich Geheimdienst und logistische Hilfe durch Notunterkünfte zuzusichern, sollte Israel auf eine Großoffensive in Rafah verzichten. Dies scheint Teil eines Engagements zu sein, welches die Lösung des Konflikts und die Freilassung von Geiseln einbezieht. Die Militärstrategie Israels steht auch intern in der Kritik. Generalstabschef Herzi Halevi fordert eine klare Nachkriegsstrategie, um dem zyklischen Wiederaufbauen der Hamas-Infrastruktur entgegenzuwirken. Auf internationaler Ebene ergreift Südafrika juristische Schritte am Internationalen Gerichtshof in Den Haag und appelliert an das Gericht, Israel zu weiteren Maßnahmen zu verpflichten, um einen Völkermord an Palästinensern zu verhindern, die auch einen Rückzug aus Rafah einschließen sollten.
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Forceschritt im Gazastreifen: Israel verschärft militärische Operationen