Das globale Handelsgefüge wankt, doch der Durst der Welt kennt keine Zollschranken. Während der US-Präsident nach seiner juristischen Schlappe am Wochenende ein neues Zoll-Chaos heraufbeschwört, findet an den Börsen eine brutale Sektorrotation statt. Anleger werfen zyklische Hoffnungswerte aus den Depots und suchen Zuflucht in Geschäftsmodellen, die so unkaputtbar sind wie das Rezept der berühmtesten Brause der Welt.
Coca-Cola Europacific Partners (CCEP) ist in diesem Umfeld zum Sehnsuchtsort für sicherheitsorientiertes Kapital geworden. Die Aktie hat soeben die psychologisch entscheidende 100-Dollar-Marke zertrümmert und markiert neue Rekordstände. Es ist das Signal einer Marktwelt, die sich auf Protektionismus einstellt und Unternehmen präferiert, deren operative Basis tief in den lokalen Märkten verwurzelt ist.

Das unsichtbare Imperium hinter dem roten Logo
Vielen Anlegern ist gar nicht bewusst, dass die Coca-Cola Company in Atlanta nur die Marke und die Konzentrate hütet. Das eigentliche Geldverdienen – das Herstellen, Abfüllen und die knallharte Logistik vor Ort – erledigen Partner wie CCEP. Was 2016 als europäischer Zusammenschluss begann, ist seit der Übernahme von Coca-Cola Amatil im Jahr 2021 zu einem interkontinentalen Giganten herangewachsen.
CCEP beherrscht heute die Lieferketten von den Metropolen Westeuropas bis nach Australien, Neuseeland und in die boomenden Märkte Indonesiens. Über 600 Millionen Konsumenten in 31 Ländern hängen an der Tropfleitung dieses Abfüll-Imperiums. In einer Welt, in der grenzüberschreitende Warenströme zum politischen Spielball werden, ist diese dezentrale, lokale Präsenz ein unbezahlbarer strategischer Schutzschild.
„Das Unternehmen ist das operative Rückgrat, das die Getränke herstellt, kühlt, verkauft und die gesamte Lieferkette vor Ort kontrolliert“, beschreibt Marktanalyst Tim Temp die fundamentale Stärke. Es ist genau diese Unabhängigkeit von transatlantischen Schiffsrouten, die CCEP in der aktuellen Zoll-Debatte zum Gewinner macht. Während Tech-Konzerne um ihre Komponenten zittern, produziert CCEP dort, wo getrunken wird.

Rekordjagd mit Warnsignal: Die Bullen sind im Rausch
Die jüngsten Quartalszahlen waren der Treibstoff, den die Bullen für den Ausbruch über die 100-Dollar-Hürde brauchten. Die Aktie fliegt für viele Privatanleger noch immer unter dem Radar, doch die institutionellen Schwergewichte haben die Segel längst auf Value gesetzt. Die Dynamik ist beeindruckend, birgt aber kurzfristige Gefahren.
Der Relative-Stärke-Index (RSI), ein wichtiger Indikator für die Dynamik einer Aktie, ist mittlerweile auf einen Wert von 86 katapultiert worden. In der Sprache der Chartanalysten bedeutet das: Die Aktie ist massiv überkauft. Das Gummiband ist bis zum Zerreißen gespannt.
Ein Rücksetzer ist nach einer solchen Rallye nicht nur wahrscheinlich, sondern gesund. Für kluge Rechner bietet das aktuelle „Zoll-Beben“ genau die Volatilität, die für einen optimierten Einstieg nötig ist. Wer jetzt blind aufspringt, läuft Gefahr, die fälligen Gewinnmitnahmen voll mitzunehmen.
Die taktische Chance beim psychologischen Rücksetzer
Die Empfehlung der Experten ist so klar wie eine frisch geöffnete Sprite: Geduld zahlt sich aus. Ein Rücklauf zur eben erst überwundenen 100-Dollar-Marke wäre das ideale Szenario für einen Einstieg. Es ist der klassische „Pullback“, bei dem alter Widerstand zu neuer Unterstützung wird.
Wer nicht auf den perfekten Moment warten will, nutzt gestaffelte Käufe. Die Sektorrotation weg von riskanten Exportwerten hin zu Cashflow-Maschinen wie CCEP ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine Reaktion auf die neue geopolitische Realität. Trump mag Zölle erhöhen können, aber er kann den Menschen in 31 Ländern nicht verbieten, zu einem Produkt der CCEP-Gruppe zu greifen.
Die Pointe dieses Börsentages: Während die High-Tech-Visionäre in Silicon Valley über Handelsbarrieren fluchen, reiben sich die Abfüller in London und Madrid die Hände. In Zeiten des Chaos wird Konsum zur Ersatzreligion – und Coca-Cola Europacific Partners ist ihr wichtigster Logistiker. Wer eine Festung gegen das Weiße Haus sucht, findet sie in einer Flasche Zuckerwasser.


